unser Kinderhäuschen.

Kinder …

Kinder sind die Welt von morgen –
lernt sie schon mal richtig an,
bei Kindern kann man Zukunft borgen –
das tut so mancher reiche Mann.

In Kinderaugen ist viel Platz –
für Tränen und für Nichtverstehen,
Kinderseelen sind ein Schatz –
sind seit jeher Gottes Lehen.

Kinder können Hungers sterben –
Kinder sind so stark wie nie,
Verdiener oft mit Kindern werben –
total verdreht – ich weiß nicht wie.

Kinder brauchen Mutters Liebe –
trennt sie nicht – laßt sie vereint,
Menschheit bekommt ständig Hiebe –
mit jeder Träne – die Kind weint.

Kinder brauchen Hauses Dächer –
laßt sie nicht im Regen stehn,
benutzt die Herzen stets als Fächer –
und ihr werdet Blumen sehn.© ee

ewaldeden

 

 

 

Wortküsschen.

 

 

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Die Nachteule: Gutenachtgeschichten.

zwischen den Buchdeckeln versammelt, viele Kindergeschichten und Gedichte in Hochdeutsch und in Platt abends zum Vorlesen oder am Tag oder einfach zwischendurch …

Ein  Kinderbücher für Groß und Klein , für  Eltern,  Omi und Opa,  Tante, Onkel ,ein Kinderbuch für Alle zur Freude der kleinen Zuhörer.

Herr Ewald Eden  schrieb auf die erste Seite seines Buches :

Am Anfang stand das Wort.

So
soll es auch
am Anfang einer jeden
guten Nacht
stehen.

Ein Kinderbuch das ich empfehle. Seine sachten, zärtlichen, Kinderbunten weichen Worte liebevoll gesetzt für kleine Zuhörer. Ihr könnt es hier kaufen : https://www.amazon.de/

Die Nachteule: Gutenachtgeschichten
Ewald Eden
Kindle Edition EUR 5,99 Euro
Taschenbuch EUR 8,99   Euro

 

 

Kinderaugen

Kinderaugen sprechen Bände,
man muß sie nur verstehen können –
Kinderaugen haben Hände,
sie können gut und böse trennen.

Kinderaugen sind das Leben,
unendlich tief und rein der Quell –
Kinderaugen wollen geben,
greif zu – denn sie sind furchtlos schnell.

Kinderaugen sagen Wahrheit,
denn nichts trübt ihren klaren Blick –
bewahre ihnen diese Klarheit,
denn dann bewahrst du Kinderglück.

Das dir dereinst in spätem Alter
schenkt was du längst verloren hast –
es schwebt um dich als bunter Falter,
erleichtert dir des Lebens Last.

© ee

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Rosenrot.

Seit ein paar Stunden war es schon dunkel. Um vier Uhr hatte die Sonne noch einmal kurz durch ein Wolkenloch geschaut, und gute Nacht gesagt.
Ein bißchen blaß um die Nase war Frau Sonne anzuschauen gewesen. Ein dicker Wolkenschal lag um ihren Kopf, als wenn ein Schnupfen sie ärgerte. Mit einem kräftigen „Hatschi“, von dem die Wolkenschäfchen noch einmal kräftig durcheinander geschüttelt wurden, war sie dann in ihrem Bett hinter dem Horizont verschwunden.
Das Sandmännchen war schon seit einer Stunde unterwegs zu den Kindern – es war für die Kleinen Zeit, schlafen zu gehen.
Auch in der Rosenduftgasse 3 klopfte der Sandmann fröhlich pfeifend an die Tür, um daran zu erinnern.

„Mama … bitte, bitte … noch einmal ‘Rosenrot’ – … einmal noch, büddeeee …“ so weich und warm wie Henriettes Köpfchen sich an Mamas Brust kuschelte, so weich und warm waren auch ihre knuddeligen Ärmchen, die ihre Mama ganz fest drückten.
„Na gut – einmal noch … aber dann geht’s ab in die Heia.“
Zärtlich berührten Mamas Lippen den braunen Lockenkopf ihres kleinen Rehleins. Rehlein nannte sie bei sich ihr Töchterchen, ihre liebliche Henriette.
„Rosenrot ist auch müde …, wenn wir sie nicht bald schlafen lassen, dann kann sie morgen nicht tanzen.“
Wie jeden Abend drehte Mama dann das große Licht an der Zimmerdecke dunkel, so daß nur noch das silberne Mondlämpchen über Henriettes Himmelbett ihr zartes Leuchten durch das Zimmer schickte.
Und wie jeden Abend schob Mama die Fenstervorhänge zur Seite. So konnten sie beide die Schneeflocken draußen im Garten, zwischen den weiß geschmückten Bäumen, tanzen sehen.
Heißa, wie die Flöckchen sich tummelten – sie schwebten vorwärts und rückwärts – sie drehten sich im Kreise – sie schlugen übermütig Purzelbäume um die blinkernden Äste, als warteten sie auch voller Ungeduld auf Mamas Geschichte. Die Geschichte von der Fee Rosenrot.

„Rosenrot wohnt, wie alle Feen, weit, weit weg, im Feenwunderland. Das Feenwunderland liegt sieben Winterjahre hinter dem Sommer, müsst ihr wissen. Wenn die Bäume grünen, und die Blumen das Wunderland bunt färben, drücken alle kleinen Feen von morgens bis abends die Schulbank. Es gibt soviel, was sie lernen müssen – von ihren durchsichtigen Flügelchen tropfen vor Anstrengung oft viele blinkende Schweißperlen.
Der Hofmarschall der Feenkönigin sammelt den ganzen Sommer lang jedes Tröpfchen in großen schillernden Krügen. Das ist von jeher eine wichtige Arbeit im Feenwunderland. Nicht ein Tröpfchen darf er übersehen, denn wenn auch nur ein einziges Perlchen nicht in dem Krüglein landet, werden im nächsten Menschenwinter keine Schneeflocken fallen, und die Feenmädchen können nicht für die Kinder, die drinnen an den Fensterscheiben sich die Nasen platt drücken, draußen in den Gärten in den silbern blinkenden Bäumen tanzen.
Ein kleines Feenmädchen war vor einiger Zeit der Feenkönigin bei ihrem Besuch in der Tanzschule aufgefallen. Es tanzte so leicht und so anmutig – so etwas hatte die Königin samt ihrem Hofstaat, der die Feenkönigin stets auf ihren Ausflügen begleitet, noch nicht gesehen – und daß es etwas gab, was die Königin noch nicht gesehen hatte, das war erst einmal, im überletzten Winter während einer Reise in die Menschenwelt, vorgekommen.
Sie hatte damals, an einem mondhellen Abend, in ein Fenster geschaut, aus dem warmes, gelbes Licht nach draußen in den Garten schien.
Was sie da sah, hatte sie vor Rührung ein paar Tränen weinen lassen, die sie als glitzernde Kristalle für Henriette – Mamas Rehlein war nämlich dieses kleine Mädchen – als Geschenk auf die Fensterbank legte.
Am nächsten Morgen – beim ersten Blick aus dem Fenster – sah Henriettchen sie da liegen. Die Tränen der Königin waren zu wunderschönen Diamanten geworden.
Ihre Mama ließ daraus bei Meister Hutzebutz – Meister Hutzebutz war der alte Goldschmied im Dorf – für ihr Rehlein gleich zwei wunderschöne Ohrringe machen.
Das allerliebste Rehlein – die Feenkönigin wußte natürlich, daß die Mama ihr kleines Mädchen in ihrem Herzen Rehlein getauft hatte – also, das allerliebste Rehlein ging der Feenkönigin seitdem nicht mehr aus dem Sinn. Wenn sie in ihrem Thronsaal umherspazierte, und die schweren Regierungsgeschäfte überlegte, dachte sie immer auch darüber nach, womit sie Henriette noch eine Freude machen könne. Es war ihr partout noch nichts eingefallen, was schön genug für das kleine Rehlein wäre.
Bis zu der Sekunde, als sie in der Feenschule die kleine Fee Nele so zauberhaft tanzen sah. Da plötzlich wußte die Königin, womit sie das kleine Rehlein beschenken würde.
Der Hofmarschall, die Oberfee, die Tanzlehrerin, der Oberhofzeremonienmeister, der Hofgärtner, der königliche Hofmaler, der Meister der Duftmischer – sie alle mußten im Thronsaal zur Audienz erscheinen.
Die Königin sagte ihnen, was sie sich für das kleine Rehlein vorstellte, und jeder bekam von ihr gesagt, was er dabei zu tun hätte. Überall wurde in den nächsten Tagen gewerkelt, gebastelt, gemalt und gedichtet. Ganz viele Überstunden musste der königliche Buchhalter in seine dicken schwarzen Kladden eintragen.
Die Seidenspinnerinnen wurden beauftragt, die feinste Seide zu spinnen – die Weberinnen bekamen den Auftrag, auf ihren goldenen Webstühlen die schönste Robe zu weben die jemals eine Fee getragen hatte – der Hofmaler wurde mit seinen Farbentöpfen solange in der Werkstatt eingeschlossen, bis er das rosigste Rot gemischt hatte – und den Duftmischer schickte die Königin gar durch das ganze Reich, um den lieblichsten Duft zu suchen.
Im ganzen Schloß wurde, rund um die Uhr, vor Freude gesungen und gelacht – so etwas hatte es noch nicht gegeben.
Endlich war es soweit – die Nacht der Nächte war gekommen.
Der Hofmarschall wurde mit siebzehn gläsernen Schlitten vorausgeschickt. Alle Schlitten waren bis über den Rand mit glitzernden Schneeflocken beladen. Während der Fahrt purzelten an den Seiten schon ganz viele Flöckchen herunter, und hinterließen am Himmel eine weiße Spur, auf der die Königin mit allen Feen folgte.
Die kleine Fee Nele saß, vor allen neugierigen Blicken verborgen, in der goldenen Kutsche der Königin.
Es war die Zeit des Schlafengehens, als der große Zug, hoch am Himmel über der Rosenduftgasse 3, ankam. Ein königlicher Bote musste schauen, ob die Mama das Rehlein auch gerade zu Bett brachte. Sie hatten genau die richtige Zeit getroffen.
Auf einen Wink der Königin ließ der Hofmarschall die Schneeflocken von allen siebzehn Schlitten auf die Erde rieseln – und mitten in den vielen Schneeflocken schwebte die kleine Nele zur Erde nieder.
In ihrem rosenroten Kleidchen tanzte sie in der weißen Pracht im Garten vor Henriettes Fenster.
Das kleine Rehlein in Mamas Armen konnte gar nicht fassen, was sie da vor ihrem Fenster sah – eine leuchtende rote Rose tanzte mitten im Winter zwischen Millionen von Schneeflocken. „Mama … guck mal… guck mal … da draußen tanzt Rosenrot. Und so kam es, daß die kleine Fee Nele nun für alle Zeiten Rosenrot heißt.© ee

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Quaak – der kleine Frosch.

Jan-Peter hat ihn Quaak genannt – den kleinen, grünen Frosch. Er wohnt in der Wasserkuhle – gleich am Ende des Gartens. Am Anfang des Sommers war er plötzlich da.

„Mama, Mama“ – kam Jan-Peter nachmittags aufgeregt in die Küche gelaufen – „guck mal, was ich gefunden hab.“

Er hatte einen kleinen, grünen Frosch in seiner Faust. „Das ist ein kleiner . . .“ fing Mama an zu erklären, als Opa, der in dem großen Schaukelstuhl saß und so tat, als würde er Zeitung lesen – in Wirklichkeit beguckte er sich von innen, wie Mama immer sagte – seine Zeitung beiseite legte.

Er war wohl durch Jan-Peters aufgeregtes Schnötern in seinem Innenbegucken gestört worden. „Das laß mich man eben machen – mein Deern.“ Opa nannte Jan-Peters Mama immer mein Deern – sie war ja seine Tochter. „Ich will dem Lütten das wohl erklären.“

Dabei strich er dem Lütten – wie er immer zu Jan-Peter sagte – zärtlich durch die wuscheligen Haare. „Ikk moot blods ähm mien Schluuren uttrekken.“ Opa sprach oft plattdeutsch mit Mama. Er war erst vor drei Jahren von Uttum zu ihnen gezogen – Oma war vor drei Jahren gestorben.

In Uttum – bei Oma und Opa – war Jan-Peter immer am liebsten gewesen, wenn Papa Urlaub hatte. In den Sommerferien fuhr er dieses Jahr mit Opa nach Pewsum – Granat schieben. Das war abgemachte Sache – unter Männern – so wie Opa das sah.

Die drei – der kleine grüne Frosch, Jan-Peter und Opa zogen nach draussen. „So, mien Lütten. Nun zeig Opa mal, wo du den Frosch gefunden hast.“ Opa hatte sich hingekniet, damit Jan-Peter nicht immer zu ihm hochgucken mußte.

„Hier, Opa – h-h-h-ier“ – Jan-Peter fing vor Aufgeregtheit so’n büschen an zu stottern – und zeigte mit seinen kleinen Fingern auf eine Insel im Schilf.

„Denn woll’n wir ihn man schnell wieder da hinsetzen – seine Mama tööft sicher schon auf ihn“ – Opa schnackt ab und zu schon mal ein plattdeutsches Wort dazwischen – aber Jan-Peter versteht das – er ist ja ein halber Uttumer Jung.

Ganz vorsichtig nimmt Opa Jan-Peter seine Hand – und schwupps – ist der kleine Frosch in das Wasser gehüpft. Im ersten Moment zieht ein wenig Traurigkeit über Jan-Peters Gesicht. „Tööf man“ – sagt Opa leise, und nimmt Jan-Peter in den Arm. Und richtig – Opa hat seine Pfeife noch gar nicht ausgeklopft, sehen sie aus dem Wasser auch schon zwei runde Froschaugen blinkern. Als wenn sie sagen wollten: ‚Danke, das du mich wieder nach Haus gebracht hast.’

Jan-Peter strahlt über das ganze Gesicht. „Kiek“, sagt Opa – „so mutt dat wääsen. Wir beide gehen nun jeden Abend hierher, und besuchen den kleinen Frosch. Du sollst sehen – dat word noch dien Frünnd.“
Soviel hatte Opa lange nicht an einem Stück geredet.

Jeden Abend, wenn es schummerdüster wurde, saßen Jan-Peter und Opa nun am Teichrand im Schilf und warteten gespannt auf den Frosch. Am vierten Abend guckten wieder zwei runde Augen aus dem dunklen Wasser. „Quaak“ sagte es ganz laut.

„Opa – Opa, Quaak ist wieder da“ – Jan-Peter wäre am liebsten so ins Wasser gelaufen – sein Freund war wiedergekommen. Und so blieb es – die beiden saßen abends gerade an der Kante, dann war Quaak auch schon da. Jan-Peter konnte richtig mit ihm reden.

Wenn Mama ihn anschließend zu Bett gebracht hatte, machte sie das Kammer-fenster weit auf – und sein Freund Quaak erzählte ihm jeden Abend eine Gutenacht Geschichte – und jeden Abend mußte der kleine Frosch von neuem anfangen zu erzählen – denn jeden Abend schlief Jan-Peter nach der Hälfte der Geschichte ein.©ee

****************

… und wer von Euch Plattdeutsch versteht – für den wird die Geschichte nun in Platt erzählt:

Quaak – de Porch

Jan-Peter hett hüm Quaak nöömt – denn lütjien gröönen Porch. He woahnt in de Woaterpol bi us glieks achter d’ Huus. Tomoal wee he dor.

„Mama … Mama …“ keem Jan-Peter eergüstern ganz upgeräächt in de Köken suust. He har gannskkeen Tied hat, sien Gummistävels uttotrecken. As schwaarte Oantenstappen leet sien Footspoar up de witten Steenploaten. He har sien Stävels moal wäär verkeert rüm antrukken.

„Kiek moal wat ikk funnen hevv.“
He har een heel lüütji Porch in siene Füüsten.
„Dat is een lütten Porch …“ wull sien Moder hüm jüst verkloaren, as Opa in de Döör rinkeem.

„Dat loat mi man ähm moaken, mien Deern“, sää he to Jan-Peters Mama. „Ikk will hüm dat woll verklokfiedeln.“ Dorbi nääm he Jan-Peter bi de Hand – netso as he dat jümmers de, wenner de beid Mannslüü wat to beschikken harn, as Opa dat nööm.

„Koam man mit Opa.“ So trukken de dree noa buten. Opa, Jan-Peter un de lüütji, grööne Porch. Buten in d’ Tuun an de Kant van d’ Woaterpol gung Opa up sien Kneen to sitten. Wiel – denn bruks Jan-Peter nich stoadich to hüm hochluuren.

„So, mien Jung – nu wies mi man även wor du de Porch funn’n häst.“
„Hier – Opa – hier.“
Jan-Peter wee vöör Upgerächtheit an trillern, un wies mit sien Fingers noa een Stääe tüschen de Reiten.

„Denn willt wi hüm man gau wäär noa Huus breng’n, sien Mama tööft säker all up hüm.“
Heel versichtich nähm he Jan-Peter siene Hand mit de Porch dorin- un schwupps – wee de Porch in dat Woater sprungen.

In de eerste Moment trukk son bietji Truurichkeit manken dat Kinnergesicht.
„Tööv man een bäten“, sää Opa. Worbi he sien Enkel in d’ Aarm neem.
Un richtich – Opa har sien Piep noch gannich togaang brocht – dor keeken all twee gluubsche Oogen ut dat Woater. As wenn se särgen wulln : ‚Ikk dank di dorföör, dat du mi wäär noa Huus brocht häst.’ Jan- Peter hööch sükk över d’ heele Gesicht.

„Kiek“ – sää Opa – „so mutt dat wääsen. Wi beid goaht nu elker Oabend hierher un besöken de lüütji Porch. Du schasst sehn, dat word noch dien Frünnd.“
Jeder Oabend, wenn dat schummerdüster wuur, seeten Opa un Jan-Peter nu an de Kant bi de Reiten un wachten gespannt
up de Porch. An de veerte Oabend keeken dor wäär twee Oogen ut dat dunkel Woater.
“Quaak “- sää dat tomoal.
“Opa, Opa – Quaak is dor.”

Jan-Peter wee am leevsten so in dat Woater strumpelt – sien Frünnd wee wärkoamen. Elker Oabend – de beiden harn sükk man jüüst an de Kant sett, keek Quaak ok allwär to. Jan-Peter kunn richtich mit hüm schnakken.

Wenn Mama hör Jung denn to Bäed brocht har, mook see dat Koamerfenster wiet oapen, un sien Frünnd Quaak vertell hüm elker Oabend een Goodenachtgeschicht – un elker Oabend muß de lüütji Porch wäär van vöörn anfangen to vertellen, denn elker Oabend schleep Jan-Peter noa de .©ee

ELE Froschkönig

ELE Froschkönigin Zwei

A c h – O p a P i e p . . .

Mareike is een lütjet Wicht van söben Joahr. Se woahnt mit hör Öllern in Westfoalen. In een heel grote Stadt.

Hör Voader is as jungen Kierl van to Huus wächgoahn. In dat fiefhüsen Dörp geev dat keen Aarbeit för hüm. In d’ Köählenpott har he glieks Aarbeit funn’n.

Dat wee man noch keen Joahr in d’ Land goahn, dor har he ok een Deern an sien Sied.

 De beiden verstunn’n sük good, un hebbt denn över d’ Joahr freed. Noa een lütten Sett wee Mareike dor. Nu har he joa eelich aal, wat he sük wünschen kunn.

Blossich een – dat fääl hüm doch. He har üm sük to keen een, mit de he Platt schnakken kunn. Doarüm wee he foaken ganz trurich.

Wenn he mit sien lütt Mareike alleen wee, vertell he hör up platt jümmer Geschichten.

Geschichten van to Huus. Geschichten van de See, un Geschichten ut siene Kinnertied. He de dat jümmers so, dat dat nümms anners hör.

Mareikes Moder wee dat näämich gannich so recht. In dat anner Düütschland wee see geborn, un kunn mit dat freeschke Platt nich rech wat anfangn. Se is dor moal över to koamen, as Voader mit hör platt proot – un hett sük düchdich upräächt över disset Kauderwelsch – so hett se sük utdrückt.

Van Stünds an hett he jümmer eers lustert ov se allen ween.

Van hör eersdet Woord an kunn Mareike net so good Platt as Hochdüütsch schnakken.

Hör Moder hett sük denn dormit ov funn’n – man – blied wee se wiers nich.

De moiste Tied wee, wenn hör Voader Urlaub har. Denn wur dat Auto bit an d’ Dakk full Kroameree pakkt- un los gung dat – noa Nörden to. Mit jeder Kilometer wuur dat Land wieder, de Koien grötter – un de Wind busiger.

Wenn se denn up d’ letzt noa de Diekstroat hen dreiden, jachter se so luut, dat Opa Piep dat all in Huus hörn kunn. 

An disse Wäken denkt se, wenn se oabns nich inschloapen kann. Ach – Opa Piep, weest du doch man hier un kunns mi wat vertelln. See geit joa nu all noa d’ School.

Letzt Joahr in de Ferien muß Mama unbedingt noa Mallorca – de Noabers ween dor all tein moal wäst. Tein moal Mallorca – oaber noch nich eenmoal an d’ Diek – bi Opa Piep.

Dat lütji Huus mit dat Reitdakk dukel sük achter de Diek as Robert – hör lütji Dackel – in sien Körf. Wenn de Sünn noch mit een half Ooch över d’ Diek keek, wee Bäedgoahnstied.

 

Ünner dat wulkendikke Bäedtüchs in de Butz kunn man hör hoast nich mehr sehn. Opa Piep seet bi hör up de Bäedschottskant un vertell van Indioaners un Chinesen, van Eskimos un van heel schwatte Minschen in Oafrika. De har he aal besöcht mit sien grodet Schipp.

 

An de hogen Masten seeten woll hunnerd Seils. Sien Seils – sülvst neit – mit sien grote faste Hann’n. Seilsmoaker wee Opa Piep wäst – Takler heißt das auf hochdeutsch – har Moder hör annerletzt torecht stödt.

Wenn Opa Piep in sien Element wee, denn kunn see de Pickpott rüken – denn seech see de Bulgen över dat Vörschipp dönnern un flooch mit de Masten dör de Wulken. See hör de Jan Maat fleuten un de Klabautermann klabautern.

 

See suus mit de Moses dör de Brassen un klunker in de Smutje siene Potten. Mirden up de Seereis fungen hör de Oogen an to blenkern, un see schleep in. Mörgen gung de Reis wieder. Bliedheit leech up Mareikes fiened Gesicht. Mörgen – Opa Piep – Mörgen.©ee

Brummibär . . .

Hinter Hannis Kammertür war die Welt nicht mehr in Ordnung. Seit drei Tagen lag Brummi nun schon zu Bett.

Wie – ihr wißt nicht, wer Brummi ist?

Brummi ist Hannes Schmuseteddy. Hanni konnte noch gar nicht Mama sagen, da lag er schon bei ihr im Bett. Und vorher – vorher hatte er schon fünfzig Jahre bei Oma Plüsch gewohnt. Oma Plüsch – das war die Mama von ihrer Mama.

Oma Plüsch – den Namen hatte ihr Papa sich ausgedacht – weil – sie hatte ja zwei Omas. Papas Mama, das war Oma Husch. Die wohnte in Hamburg – und war immer so schnell mit ihrem Auto unterwegs.

Oma Plüsch – die konnte Hanni sich gar nicht anders vorstellen, als in dem kleinen Haus – gleich hinterm Deich – fünf Minuten bis zur Schleuse.

Früher drehte Opa die Schleuse rauf und runter – wenn die Schiffe nach See zu wollten, oder nach Hause kamen. Wenn ein Schiff den Hafen verließ, dann ging Opas Herz immer mit auf die Reise.

Bei einem Unfall an Bord hatte er in der Ankerwinde ein Bein verloren – von da an war es aus mit der Seefahrt. Es hätte ihm bald das Herz gebrochen.

An der Schleuse saß ihm Tag für Tag noch ein wenig der Geruch von Teer und Ma-schinenöl in der Nase.

An schönen Sommertagen bei Opa auf der Schleuse sitzen – das war für Hanni immer das Größte – für sie und für Brummi. Da konnte sie so schön den Schiffen hinter-herträumen, wenn sie in die weite Welt hinausfuhren. Brummi hat das ja alles miterlebt. Und nun? Nun lag er krank im Bett – seit drei Tagen schon.

Seit drei Tagen konnte er nicht mehr brummen. Das war was Ernstes – ganz sicher! Das war anders als sonst. Wie heißt es doch noch gleich – was Opa ab und zu schon mal plagt? Richtig – Zipperlein.

Ja … Zipperleins, die hatte Brummi auch hin und wieder mal – das konnte man dann deutlich sehen. Dann war ein Arm ausgekugelt und hing daneben, oder er guckte mit einem Auge schief über die Nase – aber wenn Hanni denn morgens aufwachte, war er meist wieder gesund.

Sozusagen über Nacht ge-nesen – wie es der alte Hausdoktor Klasen mal zu ihr gesagt hat. Diesmal aber war es was anderes. Hanni hat Brummi schon Brust-wickel gemacht, hat ihm kalte Umschläge um den Hals gelegt – am Hustensaft hat sie ihn riechen lassen – nichts hat geholfen.

Hanni ist schier und reineweg verzweifelt. Opa hat schon gesagt. Da hilft sicher nur noch das Krankenhaus. Aber Brummi ist ja nicht in der Krankenkasse – und Kran-kenhaus ist teuer.

Drei Tage liegt er nun schon im Bett zu kiesen – und ist nichts besser geworden. So geht das nicht. Sie greift nach ihrer Spardose – nimmt Brummi in den Arm – und saust nach unten. Mama, Mama – wir müssen mit Brummi ins Krankenhaus – das Geld dafür hab ich hier.

Ihre Mama guckt erst ganz verdreht – dann geht ein Leuchten über ihr Gesicht. Na, denn man gleich los – und schon sausen sie mit dem Auto in die Stadt. Vor einem großen Haus mit der Aufschrift „Puppenklinik“ ist die Fahrt zu Ende. Brummi wird eingeliefert – und Hannis Spardose auch.

Morgen, morgen kann Brummi wieder abgeholt wer-den – sagt die Schwester noch, bevor Der Doktor mit der Behandlung beginnt. Hanni kann gar nicht abwarten, bis es endlich Morgen ist. Aber dann ist es soweit. Brummi ist wieder so quietschvergnügt – und brummt wieder so, als wenn er nie nicht krank gewesen ist. Das ist Hanni das Spargeld wert gewesen.

Doch was ist das? Sie bekommt Brummi zurück – und ihre Spardose auch. Und ihre Spardose ist noch ein ganzes Ende schwerer geworden als sie Gestern war.

Guck mal – sagt die Schwester zu ihr: Dein Brummi hat heute soviel gesungen – und alle Leute, die das gehört haben, haben dafür bezahlt. Dadurch ist vielmehr Geld reingekommen, als die Operation gekostet hat.

Als sie das zu Hanni sagt, guckt die Schwester auch so ein bißchen schräg über die Nase – genauso, als wenn Brummi sein Zipperlein hat.©ee

Un nu kummt dat Waark up Platt:

Brummi . . .

Achter Hannis Koamerdör wee de Welt nich mehr in Örnung. Sied dree Doach leech Brummi to Bäed.

Ji weeten nich well Brummi is? Brummi is Hannis Dukel-teddy.

See kunn man jüüst Mama särgen, dor leech he all bi hör in d‘ Bäed.
Bevöör see up de Welt wee, har he all füfftich Joahr bi Oma Plüsch woahnt. Oma Plüsch, dat wee de Mama van hör Mama.

Plüsch – dat har Papa dorbi sett. Wiel – see har joa twee Omas. Papas Mama dat wee Oma Suus – de woahn in Hambörch, un wee jümmer so flink mit hör Auto ünnerwäägens.

Oma Plüsch – de kunn Hanni sükk gannich anners vöörstellen as in hör lüütji Huus glieks achtern Diek – fief Minüten bit noa de Schlüüs.

Fröher har Opa de Schlüüs up un doal dreit. Wenn de Schee-pen noa See to wullen. Opas Hart gung denn stilkens mit up de Reis.

Sietdem he vöör Joahren an Bord een Been in de Anker-winsch van sien letzd Schkipp loaten har, kunn he nich mehr noa See to foahren – dat har hüm bold dat Haart broaken. An de Schlüüs seet hüm denn nu Dach för Dach noch so ‘n bäten de Röäk van Pikk un Maschin’nölich in d‘ Nöäs.

In Sömmerdach bi Opa boaben up de Schlüüs sitten un de Scheepen noakieken – dat wee jümmer dat moiste för Hanni wäst – för hör un för Brummi.

Brummi har dat joa aal mitbeläävt. Un nu – nu leech he sük in d‘ Bäed boaben in Hannis Koamer. Sied dree Doach kunn he nich mehr schnakken. Dat wee wat eernsthaftiges – heel gewiß. Dat wee anners as anners. Wo heet dat doch noch glieks, wat Opa ov un to moal har . . . richtich – Zipperlein.

Joa – Zipperleins, de har Brummi ok woll moal, dat kunn man denn düdelk sehn. Moal har he een Aarm uthoakt, moal keek he mit een Ooch ‘n bäten scheef över de Nöäs – oaber wenner see denn mörgens upwoak, denn wee he meest wäär gesund. So to särgen över Nacht genesen – so hett de ole Huusdokter Cloasen moal to Hanni sächt.

Dit wee oaber wat anners.
See har hör Brummi all Böstwikkels moakt un koole Ümschlääch üm de Hals lächt – an d‘ Hoostensaft hett see hüm rüken loaten – niks van dat hett hulpen. See is rein vertwiefelt. Opa hett all sächt, dor helpt säker blossich noch dat Sükenhuus. Oaber Brummi is joa nich in d‘ Versäkerung – un Sükenhuus is düür!

Dree Doach licht he nu all to plieren – un is niks bäter worden. So geit dat nich!
See gript hör Spoardöös, näämt Brummi in d‘ Aarm – un suust noa ünnern.

Mama, Mama – wi mooten mit Brummi in d‘ Sükenhuus – de Doalers dorföör hevv ik hier.
Hör Moder kikkt eers ganz verdreit – denn geit hör een Lüchten dör de Kopp. Na denn willt wi man glieks los.

De beiden rin in Papas Auto. An een Huus mit de groode Upschrift Puppenklinik
moakt Voader Stopp.

Brummi word inläävert – de Spoardöös ok – un mörgen köänt see hüm denn wär ovhoalen. Hett dat Maidje in dat witte Kleed sächt.

Hanni kann gannich ovtöven dat dat Mörgen word. Endlich is dat sowiet. Brummi is wäär so plietsch un vergnööcht un brummt wäär so, as wenn he nie nich sük wääsen is.

Dat sünd hör de Spoar-gröschkes weert wääsen. Doch wat is dat? See kricht een krägeln Brummi wär – un hör Spoardöös ok. Un de Spoardöös is nu noch een Ennen schwörder as Güstern.

Kiek moal, sächt de Dokterschhülp – dien Brummi hett vandoach sovöäl sungen, un aal Lüü de dat höört hevvt, hevvt dorvöör betoalt.
Dorbi sünd een büld mehr Doalers rinkoamen, as dat kureern köst hett.

As see dat to Hanni sächt, kikkt dat Froonsminsch in dat witte Tüüchs ok so een bäten plietsch över de Näes – netso, as wenn Brummi sien Zipperlein hett.©ee

Der Vorrat

Eine verwilderte heimatlose Strassenkatze beobachtete einen jungen kräftigen Hund wie dieser einen großen Knochen verscharrte.

Auch am nächsten Tag und an den darauf folgenden Tagen war der kleine Buddler wieder da , fast an der selben Stelle und fügte weitere leckere Kauvergnügen hinzu.

Das ging eine ganze Weile so, bis es die neugierige Katze es nicht mehr aushielt
und sie ihn fragte was er da mache.
Es ginge ihm doch bei seinem Herrchen gut, Dosenfutter,  jeden Tag, herrliche
Belohnungsleckerchen und viele viele Streichelschmuseeinheiten.

Wohl richtig “ antwortete dieser, doch gerade deswegen diese Vorsorge.

Noch bin ich klein, süß und knuddelig, in einem Jahr werde ich ein großer starker Wachhund sein und nicht mehr auf dem Schoß von Frauchen sitzen oder auf der Eckbank mit dem Blick über den Tisch und den dort abgestellten Herrlichkeiten.

Vielleicht lande auch ich im Hinterhof – wie meine Vorgänger – oder ich werde vergessen wie du.

© Chr.v.M.

und die Moral:

* Bereite dich im Glück vor auf  künftige unglückliche Zeiten
sammle und rüste in guten Tagen auf die vielleicht folgenden
Schlimmeren. *

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Seelenflieger.

Allen Kindern dieser Welt gewidmet,

die in den Augen der anderen Menschen

ein wenig anders sind …

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Schnatterle und Lienchen.

Am Morgen war noch alles sonnig
und unter Mamas Federkleid
da fühlt wir uns alle
wonnig

bis Mensch kam mit den Gummistiefeln
und wir vor Angst zitternd dann liefen
wir sahn voll Schreck den grossen Kescher
mein Pappa schimpfte * vorsicht Drescher *

er rannte mit der Kinderschar
so schnell wie ihn die Beine trugen
im Baum schimpfte lauthals der Star
und meinen Eltern war nun klar:

der Mensch er will uns alle trennen
und ich, ich konnte nicht mehr rennen
mein Herz schlug fest bei dieser Hetz
dann fiel das Netz, Mama schrie * wetz *

zu Spät, mein Bruder immer mutig
den Zipfel erwischte er noch hurtig
der Mensch er hatte uns nun beide
ein letzter Bick Richtung Blumenweide

dann wurden wir in den Käfig gesetzt
und untersucht ob wir verletzt
auf Reise nun ins Ungewisse
die Eltern warfen uns noch Küsse

durchs Gitter zu –  wir werden sie vermissen

doch das, das konnten wir
jetzt wirklich nicht wissen.©Chr.v.M.

+

Die Fahrt .

Die Fahrt sie war so furchtbar lang
und uns wurd` es so Himmelsangst
wo geht`s nur hin, was war geschehen
werden wir die Eltern nie mehr sehn ?

In jeder Kurve rutschten wir
von rechts nach links und an die Tür
durchs Gitter konnten wir Wolken sehn
dann kamen das Auto plötzlich zum stehn.

Zwei Arme griffen unseren Käfig
gepresst, geduckt, wir ziemlich fertig
wir schnabelten aus dem Käfig raus
wer trug uns Richtung Entenhaus?

Ein riesen Garten, Sträucher, Bäume,
drumm rumm `ne ganze menge Zäune,
auch einen Teich hab ich gesehn
hier scheint es uns, hier ist es schön.

Nun sitzen wir im Entenhaus
und sehen aus dem Fenster raus
das Stroh es raschelt hier ganz sacht
und draussen wir es langsam Nacht.© Chr.v.M.

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Die erste Nacht.

Die erste Nacht im neuen Haus
die war für uns ein richtiger Graus
stockdunkel wars nur Sterngefunkel
und im Gebüsch dort Fremdgemunkel.

Ein Igel der nach Äpfeln suchte
und weil er keine fand dann fluchte,
ne`Eule die laut HUHUuu rief,
ne`Schnecke die am Fenster lief

bei jedem kleinsten Kratzgeräusche
bei jedem fernen Hundgeheule
da liefen von uns weg die Träume
am Morgen dann mit Blick nach Draussen

da sahn wir sie: den neuen Mensch
ein nettes Frauchen die dort rennt.© Chr.v.M.

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Der erste Tag.

Von Innen nach Aussen konnten wir blicken
das Frauchen tat sich nicht anschicken
uns in die goldene Freiheit zu lassen
so blieben wir dann still und cool
und sahen bei ihrem Treiben zu.

Was macht DIE da? stellt Bruder Fragen
Da wurden Löcher ausgegraben
Metallstäbe tief reingesteckt
das Ganze sah aus wie verhext
mit grünem Draht dann drapiert

da hatte wir es schnell kapiert
das gibt `nen Auslauf ach wie schön
bald können wir die Welt dann sehn
im Teich baden,tauchen und schwimmen
die Vögel hören wie sie singen

nun warten wir, bleiben gelassen
und ziehn vorm Fenster frech Grimassen.©Chr.v.M.

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Im Watschelgang Heimat betrachten.

Spaziergang und die Welt erkunden
das träumten wir vor ein paar Stunden
und plötzlich ging die Türe auf
und Frauchen rief * kommt doch mal raus.*

Wir sahen eine Entenbrücke
vom Haus hinaus und einen Spalt
* komm Bruder einmal nur dich bücken,
dort saftig Gras* – da gabs kein Halt.

Den Teich haben wir gleich entdeckt
Schnabel voran – laut mit Quaksopran
gebadet, getaucht und durchgeschwommen
wie schnell ist doch die Zeit verronnen

Herrn Käfer dann noch schnell  aufgeschreckt
und allen Schnecken `ne Warnung gesteckt
sind wir mal Gross dann kommt nicht wieder
ab jetzt tönen hier andere Lieder.©Chr.v.M.

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Die Osterüberraschung.

Fleissig wie die Bienchen
legen Schnatterle und Lienchen
die Eier in ihr Nest
passend zum Osterfest.

Sie warten auf den Hasen
mit seinen bunten Farben.
Die faulen Hühner freuen sich sehr
und legten keine Eier mehr.

Und als das Osterfest dann da
ich staunend viele Kücken sah.
Die watschelten am Teich entlang
so kunterbunt im Entengang.©Chr.v.M.

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Kinder.

Kinder sind die Welt von morgen –
lernt sie schon mal richtig an,
bei Kindern kann man Zukunft borgen –
das tut so mancher reiche Mann.

In Kinderaugen ist viel Platz –
für Tränen und für Nichtverstehen,
Kinderseelen sind ein Schatz –
sind seit jeher Gottes Lehen.

Kinder können Hungers sterben –
Kinder sind so stark wie nie,
Verdiener oft mit Kindern werben –
total verdreht – ich weiß nicht wie.

Kinder brauchen Mutters Liebe –
trennt sie nicht – laßt sie vereint,
Menschheit bekommt ständig Hiebe –
mit jeder Träne – die Kind weint.

Kinder brauchen Hauses Dächer –
laßt sie nicht im Regen stehn,
benutzt die Herzen stets als Fächer –
und ihr werdet Blumen sehn.

© ee

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so war das mal…

Fräulein Krüsbier, das ältliche Lehrergebilde
schlägt mit dem Stock auf’s Katheder
wie eine jugendlich Wilde

sie scheint heute morgen recht ungehalten
ihre bauchige Tasche aus rohgegerbt Leder
gleicht ihrer Stirn – in Bezug auf die Falten

hat doch tatsächlich –
als sie mühsam ihr Auto rückwärts geparkt
etwas seltsam in ihrem Brotkorb gequakt

der Fiete – der Schlingel –
aus der 7 b
hatte Frösche gefangen im Moddersee

und hat sie dann alle
sie kanns noch nicht fassen
in ihrem lindgrünen Käfer in Freiheit gelassen

und als sie dem Direks –
noch heftig verschreckt
berichtet was Fiete wieder mal ausgeheckt

schlängelt sich aus ihrer Tasche –
igitt wie fatal
ein schleimiger, glänzender, speckiger Aal

als sie sich von der Verschreckung erholt
und kann wieder gradeaus gucken
hat sie dem Fiete den Hintern versohlt

wegen seiner schändlichen Mucken
doch der lacht verschmitzt in ihr wütend Gesicht
weil mit krachen der angesägt’ Rohrstock zerbricht

sie entflieht mit Entsetzen der höllischen Klasse
die Nerven –
sie gehen mit ihr schon zu Fuß

sie verläßt als zitternde Leibesmasse
die schreckliche Schule
so ganz ohne Gruß

© ee 2005

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Text in der Nachdichtung von Paul Zech:

Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein,
weil er da draußen so allein
bei den entlaubten Bäumen stand.
Ich habe ihm ein Kissen hingerückt,
damit er ruhen konnte, und er tats beglückt
sich untern Kopf. Ich legte ihm die Hand
schnell auf die Augen, und da schlief er auch.
Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch.

Sie plagte mich, bis eine Uhr schon zwölfe schlug.
Da hatte ich verdammt genug
und ließ sie ab, die Luft. Davon ist zwar
der Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck
die Mäusefrau. Sie hat im ersten Schreck
geboren, was noch gar nicht gar nicht fällig war.
Die kleinen rosa Schnauzen piepsten da so nett,
dass ich sie zu mir nahm ins warme Bett.

Mein Gott, die lütten Dinger, noch ganz nackt
und blind: Wie hat das Elend mich gepackt!
Ich glaub, dass mir was Nasses in die Augen kam.
Dabei hat manches Mädchen schon von mir
ein Kind gekriegt und starb vor Scham.
Die armen Würmer aber kuschten sich
in meine Hand, als wäre ich ihr Vater Mäuserich.

Zuletzt war auch die Mäusefrau so zahm
geworden, dass sie schwänzelnd zu mir kam.
Die schwarzen Augen glänzten froh und gross
in mein Gesicht hinein.
Und plötzlich war ich auch so mäuseklein
wie dieses Tier und nahm es in den Schoß.
Ich habe wohl die ganze Nacht mit ihr verbracht
und an kein andres Weib dabei gedacht.

Nachgedanken:

Im milden Licht der Winternacht
hab ich mich zu den Mäusen aufgemacht.
Du aber fragst, warum denn nur?
Hör zu, es ist kein Tier so klein,
das nicht von dir ein Bruder könnte sein.

© ee

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auf leisen Sohlen…

Auf leisen Sohlen war der Frühling ins Land eingezogen. Die Menschen im Dorf merkten es erst, als eines Morgens ganz feines Klingeln durch die Gärten und über die Wiesen schwebte. Die Schneeglöckchen hatten ihren ersten Arbeitstag. Sie waren schon ein paar Tage mit all den vielen Vorbereitungen beschäftigt gewesen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, nach so langer Winterabwesenheit wieder alles in Gang zu setzen.

Das aber hatten die Leute nicht mitbekommen in ihrer täglichen Hasterei. Einzig der Eichelhäher aus dem nahe gelegenen Wäldchen war vor ein paar Tagen auf Besuch da gewesen – um ein kleines Schwätzchen unter Freunden zu halten, sozusagen. Er hatte die Kunde davon dann in der ganzen Gegend verbreitet:

„Die Schneeglöckchen sind wieder da!“

– war überall krächzend zu hören gewesen. Nun wussten es alle Tiere und alle Pflanzen in der ganzen Gegend. Bloß die Menschen ahnten es noch nicht – die erfuhren erst durch das feine Läuten davon. Denn welcher Mensch versteht schon Eichelhäherisch. Doch ganz wenige nur.

Das Rehlein gehörte zu ihnen. Das Rehlein hieß bei den anderen Menschen eigentlich Barbara – aber für ihren Liebsten, und für alle Tiere – im Wald und anderswo – war sie wegen ihrer wunderschönen Augen, und wegen ihres sanften Wesens nur das Rehlein. Das Rehlein liebte ihre Rosenstöcke im Garten über alles. Darum hatten in diesem Jahr alle Schneeglöckchen auf ihrer großen Mittwinterbetriebsversammlung einstimmig beschlossen: Die ersten Schneeglöckchen blühen in diesem Vorfrühling in des Rehleins Garten. Bevor der milde Geselle den großen bunten Teppich ausrollte, den Barbara jedes Jahr extra für ihren Garten webte, kleideten tausend und abertausend Schneeglöckchen den Garten in ein wunderschönes grünweißes Tuch. Es reichte von den Rosenstöcken an der Hauswand bis an die mit dickem Moos bewachsene Gartenmauer. Die Obstbäume standen plötzlich inmitten eines hohen, flauschigen Teppichs von Blüten. Die Märzenbecher hatten sich von der Lust anstecken lassen, und reckten ihre dickbauchigen Blüten über die Schneeglöckchen hinaus. Als wenn sie zum Wettstreit angetreten waren. Und was war das – über Nacht war es bunt geworden auf dem weißen Teppich. Die Krokuskönigin hatte ihre Untertanen auf die Wiese geschickt, und damit auch jeder sah, daß sie angekommen waren, tauchten sie ihre Mäntelchen in Töpfe mit den buntesten Farben. Gelb und rötlich und violett und lila. Die ganze Strasse lang sprach man nur noch von der Farbenpracht in des Rehleins Garten. Die Freude in ihrem Herzen war so groß – sie lief über und über und über, und verteilte sich in der ganzen Stadt – jede Strasse und jeder Hof leuchtete plötzlich wie die Palette eines fleißigen Malers. Für jede Blume und für jedes Blatt schrieb sie mit ihrem Liebsten gemeinsam ein Gedicht oder eine Geschichte. Damit alle Leute diese Gedichte und Geschichten sehen und lesen konnten, malte Babsi sie auf feinste seidene Tücher. Sie schmückte damit die Zweige der Bäume, die bemooste Gartenmauer, das Rosenspalier und jeder, der am Garten vorüberging, bekam ein farbenfrohes Tüchlein umgehängt. Bald war die Stadt bis in die hintersten Winkel mit Babsis farbenprächtigen Tüchern geschmückt, die alle lustig im Wind flatterten.

Babsi tanzte und sang und küsste und herzte ihren Liebsten – alle Leute im Lande wurden richtig neidisch auf ihn. Die Kunde davon verbreitete sich wie ein Lauffeuer nach Süden, nach Westen, nach Norden und nach Osten – bis in die hohen Berge und bis an die weite See. In der Einsamkeit Sibiriens erfuhren die Schneefüchse davon, und in den Blütenfeldern der Provence summten die Bienen die frohe Botschaft in den lavendelfarbenen Himmel. Aus Skandinavien kamen die Elche, von den Sandbänken in der Nordsee robbten die Seehunde heran, die Eidechsen verließen die Felsendome der Toscana – in den Karpaten sah man gar Wölfe sich auf den Weg machen. Sie alle wollten im Bayernland Barbaras wunderschönen Garten und die Stadt mit ihren auf seidene Tücher gemalten bunten Gedichten und Geschichten sehen.

Als die letzten Tiere angekommen waren – es waren die Rentiere aus Lappland – hob ein großes Fest in der Stadt an. Die mächtigen Rentiere waren etwas langsamer, weil sie die Rentierprinzessin und den Rentierprinzen auf ihren Rücken tragen mußten. Die wollten nämlich unbedingt das Rehlein kennenlernen, und sie bitten, sie in Lappland zu besuchen – sie im hohen Norden, im Land der Fjorde und Schären zu besuchen, und ihnen zu zeigen, auf welche Art und Weise sie das Land ebenso bunt machen konnten, und wie sie Gedichte und Geschichten auf seidene Tücher malen könnten. Die anderen Tiere, die das hörten, stürmten alle miteinander auf das Rehlein ein. Sie sollte sie alle in ihrer Heimat besuchen kommen. Überall sollte das Rehlein alles bunt und fröhlich machen – und überall durfte sie ihren Liebsten mit hinnehmen. Barbara war überwältigt von soviel Herzlichkeit und Begeisterung, sodaß sie allen zusagte, in ihre Heimat zu kommen. Aber immer schön der Reihe nach, konnte sie in dem ausbrechenden Jubel nur noch anbringen. Das war den Tieren denn auch recht – die Hauptsache war, sie kam irgendwann, um das Land schöner zu machen.

So reisten das Rehlein und ihr Liebster von da an in der Welt herum, besuchten all ihre Freunde, die Spaß an bunten Blumen, die Vergnügen an farbenprächtigen seidenen Tüchern, und Hunger auf schöne Worte hatten.

Da der Frühling gerade erst anfing mit seinen Farben und Formen in der Gegend herumzusprenkeln, suchten die beiden ihre Siebensachen zusammen. Die Kutsche, in der sie reisen wollten, war ganz schön vollgepackt mit seidenen Tüchern, mit Pinseln in allen Größen, mit Malstiften, mit Leinwand und Papier und Tinten in vielen Farben. Ein Frühlingsfest sollte es zuallererst werden, in der Provence – ein Frühlingsfest in der Heimat der Eidechsen. Ein Frühlingsfest unter lavendelblauem Himmel mit rubinrotem Wein und selbstgebackenem Steinofenbrot. Ein Frühlingsfest mit malen, mit schreiben und mit lieben in wunderschönen Nächten. Ein Frühlingsfest mit Musik und tanzen und schweben auf honiggelben Wölkchen vor knisterndem Kaminfeuer. Paul und Paulinchen – die schnuckeligen Haflinger vor der Kutsche – zuckelten immer brav hinter den flinken Eidechsen her. Mit jeder Meile die sie zurücklegten, kamen sie dem Paradies näher. Barbara kuschelte sich die ganze Reise an ihren Liebsten, der sie behutsam in seinen Armen hielt – sie zärtlich streichelte und liebkoste. Mit jedem Kuss, den sie sich gaben, strahlten ihre Augen heller, so daß sie in der Nacht gar keine Laterne brauchten, um den Weg zu finden. Es war eine traumhafte Reise über die Höhenzüge der Vogesen, durch das herrliche Elsaß, auf die sanften Ausläufer der Alpen zu. Je weiter sie nach Süden kamen, umso samtener wurde die Luft. Das Rehlein erblühte in seiner ganzen rosigen Schönheit. Mit jedem Atemzug den sie tat, tauchte ihr Liebster ganz tief in ihre strahlenden Augen – bis auf den Grund ihrer Seele, um seine eigene Seele darin zu baden. Er plantschte und plätscherte oft so heftig und ausgelassen darin herum, daß ihr die Freudentränen aus den Augen kullerten, und wie flüssiges Silber auf ihren Wangen glitzerten. Ihr Liebster küsste sie dann rasch wieder weg, um Platz für neue Freude zu machen.

© ee

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Nelemale und Solamele . . .

Nelemale war gerade erst eine Stunde alt – aber sie konnte schon fliegen – eine reine Pracht war das – kann ich euch sagen. Vorwärts und rückwärts – hochkant und breit – rundherum und steil nach oben. Sie konnte gar nicht stillsitzen – sie mußte erst alles ausprobieren.

Ach so – ihr wißt ja noch nicht, wer Nelemale überhaupt ist.

Nelemale – Nelemale ist eine kleine schwarze Stubenfliege – ihre Augen die blinkerten wie Sterne, und ihre Flügel – ihre Flügel, die schimmerten wie Weihnachtsglas.

Ihre feinen Beinchen konnte sie nach allen Seiten drehen – sie konnte sich damit am Köpfchen kratzen und im selben Moment die Propeller putzen. Das war so herrlich – sie konnte es selber noch nicht begreifen. Bloß später – wenn sie Schuhe haben mußte – da würde es wohl ein wenig schwierig werden. Sie brauchte nämlich sechs Schuhe auf einmal – aber bis dahin dauerte es noch. Jetzt mußte sie sich erstmal in der Welt zurecht finden.

Ihre Welt – das war die Küche. Mit dem großen Torfofen – und mit den Speck – und Schinkenseiten, mit den Mettwürsten in Kringeln und in langen, Wurstdärmen – die an den dicken Deckenbalken zum trocknen hingen. Für eine kleine Stubenfliege, wie Nelemale eine war, war es das Schlaraffenland. In der großen, dunklen Speisekammer standen Töpfe mit süßem Rahm, mit Schmalz und Grieben und mit gelber Butter. Sie konnte sich nicht entscheiden, wo sie sich zuerst hinsetzen sollte. All diese Köstlichkeiten dufteten verführerisch – und sie schmeckten noch viel besser. Hier ein bißchen probieren – da ein bißchen naschen – und zuletzt noch ein wenig am Honig schleckern. Die Flügel wurden ihr vom hin- und herfliegen lahm – und die Beine schwer. Es war Zeit, ein wenig zu schlafen. Hinter der Küchentür stand ein brauner Weidenkorb – innen mit roten Tüchern gepolstert – richtig heimelig sah es darin aus. Da drin wollte sie eine gemütliche Mittagsstunde halten. Mit flottem Schwung flog sie in den Korb. Zwischen den Gerätschaften, die so im Korb herum lagen, richtete sie sich häuslich ein. Hier noch einen Strich über die Flügel bürsten – da noch das ein oder andere Bein ausschütteln – und dann schlief Nelemale zwischen Kaffee-flasche, Brotdose, Kautabakstange, Tabaksbeutel und Pfeife ein. Wenn sie auch nur einen Flügelschlag Ahnung gehabt hätte, was das für ein Korb war – sie wäre da ja nie nicht reingeflogen. Woher sollte sie es wissen? Sie war doch man gerade erst ein paar Stunden alt. Kaum das sie eingeschlummert ist, schlägt jemand den Deckel zu – ihr bleibt fast das Herz stehen. Auf einen Schlag ist es um sie herum balkendüster. Na, ja – so kann sie wenigstens in Ruhe schlafen.

Nelemale – wenn du wüsstest, was dich erwartet. Sie war in Harms Vesperkorb gelandet – und war jetzt auf dem Weg ins Moor. Harm wollte Torf graben. Nachmittags zur Kaffeezeit bekam sie erst wieder den Himmel zu sehen. Der Korbdeckel war noch gar nicht ganz offen, da war sie auch schon draußen. Doch was war das? Dies war ja eine ganz andere Welt!

Ein Summen und Pfeifen und Brummen schwirrte durch die warme Sommerluft – und all die Farben. Blau und braun und weiß und rot – sie konnte ihre sechskantigen Augen nicht so schnell bewegen, wie die neuen Eindrücke auf sie zukamen. Große gelbe Schmetterlinge und schwarz-gelb gestreifte Hummeln saßen auf bunten Blumen. Wenn sie wegflogen, waren sie fast betrunken vom Nektar – so schaukelten sie durch die Luft. Die wollenen Köpfe vom Löwenzahn und weißes Wollgras flogen mit ihr um die Wette – sie wollten sicher wissen, wer schneller durch die Luft sauste. In einer Zeit von nichts hatte Nelemale die Küchenwelt vergessen – so leicht ist das. Hier draussen gab es keine Mauern und Wände – an denen man sich den Kopf stoßen konnte – hier draußen war die unendliche Weite. Alles um sie herum leuchtete und trillerte und lockte – Nelemale schaffte es bald nicht, sich alles anzusehen. Fffjjjjiiiieeet – was war das? Eine Schwalbe war auf Flügellänge an ihr vorbei gesegelt – jungedi – das war ja noch mal gut ausgegangen. In ihrer Küchenwelt hatte es diese Gefahr nicht gegeben – da mußte man sich als Stubenfliege bloß vor den Honigschleifen – die unter der Decke hingen – in acht nehmen. Nelemale sah das aber ganz gelassen – beim Teufel brennt das Feuer – und im Himmel gab es eben Schwalben. Über das aufregende Treiben rings um sie her hat sie noch mit keinem Seufzer an Essen gedacht – plötzlich macht ihr Bauch einen so lauten Hüpfer, daß die Mücke – die neben ihr auf dem Heidekraut sitzt – rückwärts auf die Erde fällt. Wo ist die Speisekarte – die Speisekarte muß sie unbedingt abfliegen. Die Tische, über die sie wegfliegt, sind mit den besten Leckereien gedeckt. Oft sind sie so vollgepackt, daß die Schlemmereien schon über den Rand laufen. Hoch in die Luft steigt Nelemale – von oben – mit der Sonne im Rücken – kann sie alles viel besser sehen.

Da vorne – zwischen den Erikabüschen – auf dem kleinen Hügel – als wenn da eine Krone steht. Rot und grün und honigfarben leuchtet es in die Sonne. Da muß sie hin – das kann ja nur etwas besonderes sein. Ohne viel Kringelei steuert Nelemale im Sturzflug darauf los . Lange vor den letzten Flügelschlägen steigt ihr schon verlockender Duft in die Nase – da läuft so einer kleinen Stubenfliege ja das Wasser im Munde zusammen. Kaddaradabumm – was war das? Benommen guckt sie um sich zu – auf einem großen Torfbrocken liegt sie – auf dem Rücken. Sie muß mit irgend jemand zusammengerasselt sein – auf ihrem Flug in den Speisesaal. Da wo sie landen wollte, steht ein kleines Mädchen – so zart und fein – man kann glatt durch und durchgucken. Grüß dich – Nelemale. Wie Engelsgesang klingt die Stimme, die sie hört. Ich bin Solamele – die Moorfee – ich muß hier im Moor aufpassen, damit auch alles seinen rechten Gang geht. Ja man – aber warum hast du mich denn auf dem süßen, gelben Grund nicht essen lassen? Mein Magen knurrt wie ein alter Hofhund – er hängt mir schon in allen sechs Kniekehlen. Nelemale war richtig ‘n bißchen wütend auf ihre neue Bekanntschaft. Wenn ich dich nicht aufgehalten hätte – du hättest nie mehr essen können – die kleine Moorfee schlug mit ihren seidenen Flügeln einen anmutigen Bogen. Paß gut auf – gleich kommt der alte Knister-Knaster. Seine Lebenskerze ist abgelaufen – den kann ich nicht aufhalten – dann siehst du, was passiert. Solamele hatte noch gar nicht zu Ende gesprochen, hörte Nelemale ein Brummen. Eine dicke, blauschimmernde Pferdefliege kam angetrommelt – flog drei, vier Bogen über der Krone – und setzte zur Landung an. Der Dicke hatte sich auch wohl sein Abendbrot ausgewählt. Ein paar mal hopste er über den gelben Grund – und dann standen seine Flügel still.

Bis er sein Kleckerlatz umgebunden , und Messer und Gabel zurecht gelegt hatte – das dauerte ein Weilchen. Endlich saß er bequem und wollte so richtig loslegen – als es klapp machte – und die Krone sich geschlossen hatte. Nelemale rutschte vor Schreck das Herz in die Hose – ganz blaß war sie geworden.

Jetzt weißt du – sagte Solamele, die Moorfee – wie es in der Natur zu geht. Wenn ich meine Augen nicht überall hätte, würde unser Sonnentau alle Tiere auffressen, die ihn besuchen wollten. Nelemale mußte erstmal kräftig schlucken – der Hunger war ihr rein vergangen – das tat sie sich aber dick hinter die Ohren schreiben. Als sie sich nach einer Weile umdrehte, um Solamele zu danken, war die kleine Moorfee schon lange anderswo – um Ordnung zu halten –

im Leben hier im Moor.

© ee

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Warum die Ostereier bunt sind . . .

Vor langer, langer Zeit – die Osterhasen hoppelten noch in Ritterrüstungen durch das Land, um den Kindern zu Ostern die Nester zu füllen – sahen die Eier noch alle gleich aus. Hühnereier konnte niemand so recht von Ostereiern unterscheiden. Den Unterschied konnte man nicht sehen – er war unter der Schale verborgen – Ostereier waren innen fest. Ganz oft passierte es darum, daß die Sonntagskleider, welche die Kinder Ostern immer anziehen mussten – Ostern war nämlich damals auch schon Sonntags – mit Eigelb vollgekleckert waren, weil die Kinder statt eines Ostereies ein Hühnerei aufgeschlagen hatten.

Wie das passieren konnte fragt ihr? Ganz einfach! Die Hühner vertauschten die Eier ab und zu. Die gefiederten Gesellen konnten auch damals schon über die seltsamsten Dinge lachen, und neugierig waren sie sowieso. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer was anderes erzählt, der kennt die Hühner nicht. Aber noch eine Eigenschaft besaßen die Ur-ur-ur-ur-urgroßeltern der jetzigen Hühner: Sie waren neidisch – neidisch auf den Osterhasen. Der konnte gekochte Eier legen. Wenn auch nur zu Ostern – aber immerhin!

Sie rackerten sich das ganze Jahr – Tag für Tag – mit dem Eierlegen ab – wenn eine Henne fleißig war, legte sie sogar zwei Eier an einem Tag – und dann kam am höchsten Eierfeiertag der Welt so ein schlappohriger Hase dahergehoppelt, und stahl ihnen die Schau.

Nicht einmal richtige Federn konnte er vorweisen – aber gekochte Eier legen. Weil die Hühner den Osterhasen auf seinen Touren ständig mit ihren Eiern bewarfen, beschloss die Osterhasengewerkschaft auf einer großen Versammlung, ihren übers Land ziehenden Mitgliedern Ritterrüstungen anzuziehen.

Bloß – in diesen schweren Rüstungen kamen sie nicht so schnell vorwärts – und viele Osternester blieben leer.

Ich muß euch ja bestimmt nicht erzählen, wie traurig die Kinder waren, wenn sie nach mühevoller Suche leere Osternester fanden. Darum füllten die Mamas die leergebliebenen Nester mit Hühnereiern. Das war aber auch nicht die Lösung. Tja – und weil alle Mamas dieser Welt – das war damals auch schon so – an Ostern keine traurigen Kinder mit bekleckerten Sonntagskleidern haben wollten, setzten sie sich unter dem Osterbaum mit den Osterhasen zusammen. Was bei den Beratungen herausgekommen ist, kann man heute noch an jedem Osterfest bestaunen: Die neidischen Hühner konnten ihnen keinen Streich mehr spielen, weil sie von da an Ostern immer eingesperrt wurden, und damit auch wirklich niemand mehr die Eier verwechselte, legten die Osterhasen ab sofort bunte Eier.

©ee

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Kinderfragen.

Wo ist der Wind wenn er nicht weht,
wo ist der Wolken ihr Zuhause –
wo ist das Rad das die Erde dreht,
wo ist des Regenmachers Klause?

Wer schiebt die Sonne über den Himmel,
wer rollt den Mond durch dunkle Nacht –
wer malt die Flecken auf den Schimmel,
wer macht das Donner furchtbar kracht?

Warum ist Luft so dünn wie Seide,
warum ist Wasser immer naß –
warum trauert Trauerweide,
warum ist Leben nicht bloß Spaß?

Wie kommt es das wir Menschen werden,
wie spricht man wohl im Himmelreich –
wie wichtig ist der Krieg auf Erden,
wie arm macht er oder wie reich?

Wofür baut der Mensch sich Waffen,
weshalb schießt man andere tot –
warum kann man nicht Frieden schaffen,
dann wäre alles doch im Lot!

© ee

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