Veröffentlicht in Christin v. M., Satzflüge

noch abwarten.

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Es schmilzt der Schnee und tropft und pocht,
es rutscht Herr Winter auf Glatteisspuren.

Die Frühlingssehnsucht harrt erstarrt,
im Warten bleibt sie noch verborgen.

© Chr.v.M.

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Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Im Meer des Schnupfens…

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Im Meer des Schnupfens…

Der Husten bellt die Nase läuft
es ist schon fast ein kleiner See

die Augen rot wie blühend Mohn
Tropfen und Pillen angehäuft

Kräuterbad und Salbeitee
warten nun seit Stunden schon

ringsum wie schwebend Wolkenfetzen
verteilt sich watteweich Papier

Tempos kaufen und benetzen
gurgeln mit gekochtem Bier

so ein Siebentageschnupfen
die Birne hohl wie leeres Faß

man möchte sich den Schädel lupfen
vom Schweiß der Buckel klitschenaß

man fühlt die Knochen alle doppelt
selbst da wo man gar keine hat

am besten ganz fest eingemoppelt
liegt man dann sieben Tage platt.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie, Satzflüge

Des Frühlings Werden …

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Des Frühlings Werden …

Hörst du das wispern der Wintergräser
im frostigkahlen Morgenlicht?
Hörst du das tönen der Kirchturmbläser
das sich unter den Wolken bricht?

Hörst du das klingeln der schneeigen Glöckchen
die drängen in Frühlings werdendes Neu –
sehnst du das perlende fröhliche Böckchen,
das Maiengetränk als des Braumeisters Bräu?

Siehst du Frau Stelze dort stelzen am Bach
mit nickendem Schopf und wippendem Stert?
Hörst du der Täubchen ihr gurrendes Lach,
und ist es das werdende Leben dir wert?

Lausch mal der Amsel schwellendes Singen
hoch oben in Baumes verästelter Krone
als eines von vielen göttlichen Dingen
ohn‘ die uns’re Welt wär‘ ziemlich „Ohne“.

Drum lasst uns geniessen das täglich Geschehen
als großherzig‘ Gabe des Schöpfers der Erden –
wenn wir es nicht schätzen dann wird es vergehen
und niemals zur Freude der Enkel mehr werden.

©ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Wenn dir…

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Wenn dir…

Wenn dir die Tränen laufen
und netzen dein Gesicht,
sagt dir die Seel’ sie möcht’ verschnaufen,
sonst verliere sie ihr Gleichgewicht.

Lass’ deine Tränen fliesssen
ins große Meer der Welt –
ihr Feucht läßt irgendwo erspriessen
Leben unterm Himmelszelt.

Wenn sie dann mit vielen –
vereint im grossen Strom –

strebend zu den Zielen
in Gottes Reich unendlich Dom,

dann haben sie den Sinn erfüllt,
den Schöpfer ihnen zugedacht –
haben mannigfachen Durst gestillt
und dargelegt des Vaters Macht.

© ee

 

merci foto by https://pixabay.com/

Veröffentlicht in Christin v. M., Erzählungen:, Satzflüge

Zimmer elf – Augenblicke.

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Zimmer elf – Augenblicke.

Sie hetzen die Zeit durch regennasse Strassen, nur das Rauschen klebt an der Türklinke von Zimmer 11.

Hier atmen verlegen die Stunden kippen in graublau Lichtbündel durch das hohe Fenster, die sich tanzend in stummen Bücherregalen verfangen bis sie ermüdend, breitbeinig – als Schatten – auf meiner Bettdecke landen. SIE hatte diesen Punkt geklebt unsichtbar, haltbar.

Dort wo der Stukk als Blütenrandrose in die Decke sich einband um kichernd sich in zarten Wölbungen wieder aufzuwerfen. Fast trotzig dann, in gelbgewunden. Augenmüde Beobachtung und harren , wortloses verstehen.

Da saß sie bewegungslos erstarrt von meinem Bestaunen. Im unbeobachteten Moment dieses zarte drehen einer Schlittschuhläuferin – sekundenatmend .

Dann schleuderte sie wie ein Band den seidigen Faden hinter sich – wölbte ihren Bauch wie eine Schwangere und tanzte auf dem dünnen Seil

in atemloser Schönheit. © Chr.v.M.

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Veröffentlicht in Christin v. M., Satzflüge

unsere Zeit

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unsere Zeit

 

Wir planen und sind zwischen gestern und morgen
erfüllt von gedanken und vielen sorgen,
wir suchen und jagen und rennen doch nur
und folgen blindlings dem zeiger der uhr.

wir richten sinnlos all unseren geist
auf die zeit der uhr, die der zeiger uns weist.
deshalb bleibt uns für immer etwas verborgen,
daß die uhr nicht auf gestern zeigt und nicht auf morgen.

die zeiger drehen sich wie die erde im kreis.
weil die uhr wie die welt von der mitte noch weiß.
in der mitte, dort wo der zeiger die stunden
mit denen der minuten und sekunden verbunden.

ist das jetzt, ist gegenwart und der geist,
wie die relavität der zeit uns beweist.
jedoch rennen wir nur der zeit hinterher
und sehen die eigene mitte nicht mehr.

wir suchen die mitte des lebens doch nur
am äußersten rand bei den ziffern der uhr.
geradeaus, wohin der uhrzeiger weist,
in die zeitlose leere – richten wir den geist.

am rande der uhr und am rande des lebens,
drehn wir uns um die zeit und um alles vergebens.
doch wie die mitte der uhr auf die gegenwart weist,
ist nur das heute und hier,

voller leben und geist.

© Chr.v.M.

foto dank https://pixabay.com/

thanks

 

Veröffentlicht in Christin v. M., Satzflüge

in Zeitlupe

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in Zeitlupe

deine zeit betrachten
wie sie erblüht
während du ihr sätze schreibst
mit zarten zerbrechlichen flügeln

nicht wissend:
wird sie mein schlafendes ohr
je erreichen
nicht wissend: wachen wir

ich halte mein seele
an orpheus reich
presse mich
durch gestein zu dir

zeit die uns durchsichtig scheint
und kurz
um in vergrößerungen wieder
länger zu werden

diese zeit betrachten…

wie sie erblüht
und du buchstaben setzt
bis sie tanzen
froh vor meinen augen

sie dreht sich
dreht sich
auch heute
um das

UNS .

© Chr.v.M.

foto bei https://pixabay.com/