Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Der Bumerang des Hochmuts …

Der Bumerang des Hochmuts …

Wir werden geschlagen mit eigenen Waffen,
die ein Kind schon kann tragen, den Tod im Visier –
wir haben das eigen‘ Verderben geschaffen,
weil wir alles geliefert aus Machtsucht und Gier.

Der Wind, der gesät in den Elfenbeintürmen,
kehrt zu uns zurück mit erschrecklicher Kraft,
als Bumerang aus tödlichen Stürmen,
der jeden Widerstand mühelos schafft.

Wir haben uns bedient im Lauf der Geschichte,
an allem was anderen heilig war –
wir haben gemordet, geplündert vor Gottes Gesichte,
genossen das alles als wunder und bar.

Wir haben uns betrachtet als Herren der Welt,
die Peitsche geschwungen über die niederen Wesen –
und weil im Besitz wir von Reichtum und Geld
dünkten wir uns als handverlesen.

Dies‘ Denken ziert nur noch als blätternder Lack
des treibenden Staates einst glänzend‘ Karossen –
und mit der Benennung der Warner als Pack
hat man sich selber ins Knie gar geschossen …

© ee

ewaldeden2015-11-17

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Veröffentlicht in an Dich, Christin v. M., Satzflüge

Ungelesene Worte.

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Ungelesene Worte.

die worte
modelliert zusammengesetzt
umgeworfen im sommer dann gekippt

die verstrichene frist ausgeatmet
zum winter sortiertes neu aufgestellt
das stehende schweigen schwarz angemalt

erstarrtes wie erfroren
zerspringt zwischen meinen wort- sehnsüchten
es perlten bunte träume hinter den augen .

ich schreibe

“ ja „

ich schrieb dir…

© Chr.v.M.

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Strandgut.

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Strandgut.

Es wanderten die Jahre durch Jahre
es raste Zeit durch die Zeit
hinterließen schmerzlich klare
Bilder der Vergangenheit

man hatte nicht Zeit zu betrachten
die Gegenwart während der Fahrt
es rächt sich wenn wir nicht achten
was Zeit im Zeitlauf um sich schart

es sind anfangs ganz kleine Dinge
wie Samenkörnchen im Grund
sie ziehen Kreise und Ringe
sie schleifen eckiges rund

der Unwille Köpfe zu drehen
zur Seit’ und nach hinten zu schau’n
läßt vieles einfach geschehen
läßt unrecht Tun Berge aufbau’n

bis dann die Woge des Meeres
den Kamm ihrer Höhe erreicht
und Menschenwerk einfach wie leeres
Strandgut von ihrer Liste streicht.

© ee

Veröffentlicht in Erzählungen, Ewald Eden, Satzflüge, Schreibwerkstatt

Der Instrumentenladen …

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Der Instrumentenladen …

Jette und Heidi hatten ein schönes, langes Wochenende vor sich. Keine große Planung für eine kleine Reise, oder so. Nix von dat. Jette war man noch so eben an einer kleinen Reise nach Leipzig vorbeigerutscht. Ein Husten quälte sie seit ein paar Tagen.

Sie hatte sich doch im alten Jahr, noch von jemand, den sie gar nicht so recht mochte, zu etwas überreden lassen, was sie auch gar nicht so recht mochte.  Es sah fast so aus, als wenn der liebe Gott da ein bißchen Verhinderer gespielt hätte – er hatte Jette einfach krank werden lassen, sodaß sie den Bus, mit den  abgedrehten Doppelkatholiken aus dem Münsterland, alleine sausen lassen mußte. Kaum das die Abgase des Reisegefährtes in der schönen Siegerlandluft nicht mehr zu riechen waren, ging es ihr auch schon wieder erheblich besser.

Auf diese Weise konnten Heidi und Jette, ein ganz schön verlängertes Wochenende lang, einfach ihren Neigungen freien Lauf lassen. Also – die Seele baumeln lassen, und Lüste streicheln war angesagt. Und das alles ohne gesellschaftlichen Zwang. Schon  am ersten Tag blühten die beiden richtig auf.

Sie konnten malen, schreiben, kochen, essen, schwimmen gehen – so wie es ihnen gerade einfiel, nur nach Lust und Laune. Ach, ja – Skippo spielen natürlich auch. Hee – ihr wißt nicht, was Skippo ist? Skippo ist das Spiel, was richtige Weibsen süchtig macht. Jetzt wißt ihr es – mehr will ich euch dazu auch nicht verraten.

Bei allem, was sie in ihrer Glückseligkeit so anstellten, hörten sie Musik, zu der sie dann am liebsten auch noch eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt hätten.

Für den Sonntagmorgen hatten sich Heidi und Jette einen Saunagang vorgenommen. Diesmal sollte es eine gemischte Sauna sein. Von wem von den Beiden die Idee dazu gekommen war, wussten sie schon nicht mehr. Das war ja auch piepegal. Heidi hatte sich zwar leicht geschüttelt, als sie an die vielen kleinen Probleme dachte, die sie in der „gemischten Sauna“ zu sehen bekommen würden, aber laß es uns angehen – wir werden es überleben, meinte sie nur zu Jette, die angesichts dieser Aussichten schon verhalten in sich rein lachte.

Der Sonntagmorgen stand vor der Tür – die Sauna stand plötzlich auch vor ihnen, also – nix wie raus aus den Klamotten, und nix wie rein in den Schwitzkasten.

So ein ganz klein wenig trieb Heidis unbekümmerte Eingangsbemerkung Jette denn aber doch eine leichte Röte ins Gesicht:

„Mein Gott, Jette – was ist das nur für ein schöner Musikinstrumentenladen. Guck doch nur mal die vielen kleinen Flöten, die hier überall herumhängen.“

© ee

weitere Erzählungen zu  finden hier im Worthaus auf unserer Seite :

                                                                 unsere Schreibwerkstatt 2

und weitere Geschichten  auch hier : unsere Schreibwerkstatt 1

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Der ‚Rote Sand’

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Der ‚Rote Sand’

Der Heimat letzter Gruß,
der Heimat letztes Zeichen –
der Leuchtturm in der Deutschen Bucht.

Soweit seine Signale reichen
der Wanderer den Lichtpunkt sucht.

Erst wenn am Horizont verschwunden,
der schlanke Turm in dunkler Nacht –
glaubt er den Abschied überwunden,
und fühlt, daß Hoffnung neu erwacht.

Hoffnung auf ein neues Leben,
in einer weit entfernten Welt –
doch wird man ihm dort anderes geben,
als das was er hier weggestellt?

Er weiß nicht was ihn dort erwartet,
im fremden unbekannten Land –
hofft nur, daß er ins Glück gestartet –
das in der Heimat er nicht fand.

ee © 2007

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Vergebliche Suche …

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Vergebliche Suche …

Ich hab mich gequält ich hab mich geschunden
hab mich gebückt und gerackert
hab Löcher gebuddelt und in alle Ecken gerochen
hab die Sahara durchgesiebt und den Nordpol beackert

ich hab halb Sibirien umgebrochen
und den Ganges ausgetrunken
ich bin auf den Himalaja gekrochen
und hab von da zu den Sternen gewunken

hab Containerriesen gestoppt und die Ladung durchwühlt
keinen Platz auf der Erde hab ich ausgelassen
selbst wenn ich mir irgendwo die Seele verkühlt
und was soll ich sagen – ich konnt’ es nicht fassen

ich hab nirgendwo des Friedens Zuhause gefunden
erst als ich dann ermattet von meiner Reise
zurückgekehrt zu meiner Seele Zuhaus
da schaute beglückt auf wunderlich Weise

der Frieden aus allen Fenstern hinaus

© ee

foto auf https://pixabay.com/de/

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Wohin …. ?

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Wohin …. ?

Zukunft ist eine unbekannte Größe
wir leben sie nicht – wir ahnen sie nur
Vergangenheit das ist unsere Blöße
in ihr wurde geformt der Gegenwart Spur

nur wenn uns bewusst
das wir vom Morgen nie etwas erfahren
weil wir nie in ihm leben werden
werden wir uns so verhalten in unseren Jahren

das es auch Morgen noch Gegenwart gibt hier auf Erden
das es auch morgen noch Zukunft gibt
die – ohn’ sich zu grausen

die Vergangenheit liebt.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Dein Bild.

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Dein Bild.

Dein Bild vermittelt mir Gefühle –
es schaudert mich vor lauter Glück,
es läuft mir brennendheiße Kühle –
die Seele runter – und zurück.

Die Gänsehaut des „Dich begehren“ –
läßt mich erschauern – bis ins Mark,
ich kann mich nicht dagegen wehren –
und dünk’ ich mich auch noch so stark.

Ich kann es bloß geschehen lassen –
ein jedes und ein jedesmal,
sehr schwer, es in ein Wort zu fassen –
genieße diese Liebesqual.

Die Qualen des „auf dich verzichten“ –
des dich nicht berühren können,
ich fühl’ die Sehnsucht sich verdichten –
und irgendwann wird man ‘s uns gönnen.

©ee

Foto auf https://pixabay.com/de/

merci

Veröffentlicht in Ewald Eden, leise Worte, Satzflüge

Der Moment . . .

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Der Moment . . .

Der Moment – er ist Geschichte
du vernimmst den ersten Schrei
der Schritt vom Mutterleib zum Tageslichte
vom Herzen fällt’s dir schwer wie Blei

Hast lange Wochen – viele Stunden
zermartert dein zerriss’nes Ich
hast nächtens keinen Schlaf gefunden
zu Gott gebetet inniglich

Nun ist es dir – als wenn ihr fliegt
bar aller Ketten – vogelgleich
dein Kind dir in den Armen liegt
einzig – wunderbar und weich

Vergessen ist der Leut’ Gerede
verschwunden ist der Zweifel Stein
das kleine Leben nimmt dir jede
auch noch so große Seelenpein

Auch wenn man an „Behindert“ denkt
so hinter vorgehaltener Hand
dein Kind – das hat dir Gott geschenkt
und sicher nicht als Klagewand.

© ee

foto dank https://pixabay.com/