Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Im Meer des Schnupfens…

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Im Meer des Schnupfens…

Der Husten bellt die Nase läuft
es ist schon fast ein kleiner See

die Augen rot wie blühend Mohn
Tropfen und Pillen angehäuft

Kräuterbad und Salbeitee
warten nun seit Stunden schon

ringsum wie schwebend Wolkenfetzen
verteilt sich watteweich Papier

Tempos kaufen und benetzen
gurgeln mit gekochtem Bier

so ein Siebentageschnupfen
die Birne hohl wie leeres Faß

man möchte sich den Schädel lupfen
vom Schweiß der Buckel klitschenaß

man fühlt die Knochen alle doppelt
selbst da wo man gar keine hat

am besten ganz fest eingemoppelt
liegt man dann sieben Tage platt.

© ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden

Eine Frage bloß ….

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Eine Frage bloß ….

Hast Du schon mal eine Münze
mit nur einer Seite geseh’n?
Nein, sagst Du – und fragst zugleich
wie, bitte, soll das denn auch geh’n.

Das kann doch nicht sein,
das gibt es doch nicht –
das leuchtet Dir ein,
da zweifelst Du nicht.

Beim Leben
da scheinst Du es anders zu halten –
da glaubst Du,
es gäbe nur Sonne und Licht.

Du siehst nicht
die wirkend’ Zerstörergestalten
an denen das Gute im Zeitlauf zerbricht.

Mit solcherart Denken fährst Du im Streben
mit Schlagseite ständig am Leben vorbei
erfährest kein Schenken, erreichest kein Geben
und segelst ganz schlicht das Erleben entzwei.

Halt ein, mal ein wenig,
und wende den Taler –
sieh’ an was sich da drunter all’s regt,
und ist es auch nicht der süßeste Honig,
so ist es doch das, was der Welt Tage prägt.© ee

ewaldeden©2013-01-29

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bunte töne bei WorldOfOmnia

thanks
Veröffentlicht in Ewald Eden

Neuzeit.

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Neuzeit.

Ich muß telefonieren,
eine Nachricht, es drängt.
Eine Begebenheit klären –
am seidenen Faden sie hängt.

Am Ende da klingelts,
ein paarmal geht’s raus,
es ist wahrscheinlich niemand zu Haus.

Doch plötzlich die Stimme –
man meint sie zu kennen –
beginnt uns Nummer und Namen zu nennen.

Nach dem Piepton, den wir dann hören
können wir die Maschine betören.
Und wenn man mich mag
dann geht man auch ran.

Ansonsten ruf ich wieder den Beantworter an.

© ee

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bunte töne bei WorldOfOmnia

foto passend auf https://pixabay.com/de/

 

Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie, Satzflüge

Des Frühlings Werden …

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Des Frühlings Werden …

Hörst du das wispern der Wintergräser
im frostigkahlen Morgenlicht?
Hörst du das tönen der Kirchturmbläser
das sich unter den Wolken bricht?

Hörst du das klingeln der schneeigen Glöckchen
die drängen in Frühlings werdendes Neu –
sehnst du das perlende fröhliche Böckchen,
das Maiengetränk als des Braumeisters Bräu?

Siehst du Frau Stelze dort stelzen am Bach
mit nickendem Schopf und wippendem Stert?
Hörst du der Täubchen ihr gurrendes Lach,
und ist es das werdende Leben dir wert?

Lausch mal der Amsel schwellendes Singen
hoch oben in Baumes verästelter Krone
als eines von vielen göttlichen Dingen
ohn‘ die uns’re Welt wär‘ ziemlich „Ohne“.

Drum lasst uns geniessen das täglich Geschehen
als großherzig‘ Gabe des Schöpfers der Erden –
wenn wir es nicht schätzen dann wird es vergehen
und niemals zur Freude der Enkel mehr werden.

©ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden

Ohne Zeit ist unser Raum…

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Ohne Zeit ist unser Raum…

Deine Augen spiegeln die Tiefe der See –
so unergründlich wissensschwer
ich bin so gern in deiner Näh’
das Fühlen – es läuft kreuz und quer

Dich riechen baut die tollsten Träume
ist wie der schönsten Rose Duft
ist süßer wie des Zuckers Schäume
in Kinderlandes Kirmesluft

Flüchtig Ding sind unsere Zeichen
im weichen Sand an Wassers Saum
sie müssen schnell der Zeit entweichen
doch ohne Zeit ist unser Raum

Der Raum in dem die Liebe lebt
der Raum in unserer Seele
wo alles nach Erfüllung strebt
wo nur das Herz befehle.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Wenn dir…

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Wenn dir…

Wenn dir die Tränen laufen
und netzen dein Gesicht,
sagt dir die Seel’ sie möcht’ verschnaufen,
sonst verliere sie ihr Gleichgewicht.

Lass’ deine Tränen fliesssen
ins große Meer der Welt –
ihr Feucht läßt irgendwo erspriessen
Leben unterm Himmelszelt.

Wenn sie dann mit vielen –
vereint im grossen Strom –

strebend zu den Zielen
in Gottes Reich unendlich Dom,

dann haben sie den Sinn erfüllt,
den Schöpfer ihnen zugedacht –
haben mannigfachen Durst gestillt
und dargelegt des Vaters Macht.

© ee

 

merci foto by https://pixabay.com/

Veröffentlicht in Ewald Eden

die Hoffnungsburg.

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Hinter mächtig alten Bäumen
auf wintersbrauner Sommerwiese
steht eine Burg – so recht zum träumen
es fehlt nur noch die Gänseliese

aus Fenstern – wie aus blanken Augen
schauen fröhliche Gesichter
man spürt Zeit an der Seele saugen
und sehnt sich warme Festtagslichter

im Geiste hört man musizieren
es klingt wie zarter Engel Chor
ganz plötzlich ist nichts mehr mit frieren
man kommt sich wie im Himmel vor

man lässt das Denken einfach schweben
malt sich den Duft von süßen Plätzchen
man möchte’ sich selbst ein Küsschen geben
weil man verliebt in dieses Schätzchen.

© ee

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foto dank https://pixabay.com/de/

Veröffentlicht in Ewald Eden, Schreibwerkstatt

Courage . . .

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Courage . . .

Schschscht – – – – – Theo – – – – sie kann sich bald selbst nicht hören, so leise ruft sie ihren Theo.

Man – sie liegt ja auch steif im Bett. So sehr hat sie sich erschrocken, als es plötzlich irgendwo im Haus schreck-lich polterte.

Sie versucht es noch einmal – diesmal etwas lauter.

Theo – – Theo – – dabei kriecht ihre Hand millimeterweise zu ihm hin.

Es dauert fast fünf Minuten, bis sie ihn an der Schulter zu fassen hat – und dann noch einmal genauso lange, bis sie ihren Arm bewegen und Theo schütteln kann.

Dabei hat sie mehr Energie fürs lauschen ins Haus gebraucht, als für die Bewegung zu seiner Schulter hin.

Ihr steht der blanke, kalte Schweiß auf der Stirn. Wie kann man bloß so fest schlafen. Wieder muß sie seine Schulter vorsichtig hin und her bewegen.

Sie traut sich nicht, laut zu werden – und meint, daß man schon ihr Herzklopfen bis zum Nachbarhaus hören kann.

Oh man – wenn diese Angst nicht wäre. Sie würde ihm schon zeigen was es heißt, nicht auf sie zu hören.

Er hat sowieso noch eine Rechnung offen bei ihr – von gestern abend. Wenn es auf der Geburtstagsfeier des Arbeitskollegen auch nichts Vernünftiges zu essen gab – er hätte sich nicht so zu betrinken brauchen.

Nun liegt er da und tut grad so, als wenn er mit der großen Zugsäge zugange ist, und Winterfeuerung sägt.

Schnarcht und liegt, und liegt und schnarcht, und kriegt vom Poltern und Klötern unten im Haus nichts mit.

Sie ist vor Angst am zittern, und kann ihr Nachtzeug bald auswringen. Sie bekommt ihn mit aller Gewalt nicht zu Verstand. Die Einbrecher räumen sicher schon das ganze Haus leer. Sie zittert, als wenn sie mit bloßen Füßen im Schnee steht.

Plötzlich kommt ihr die Erleuchtung!

Draußen am Balkon da steht doch noch die große Leiter. Der plötzliche Regenschauer hat Theo gestern Nachmittag beim Weinranken schneiden vertrieben – und die Leiter ist da stehen geblieben. Weil sie denn ja auch nötig losmußten – zum Geburtstag.

Immer wieder kommt dieser Geburtstag mit dem wenigen Essen und der vielen Sauferei ins Spiel.

Sie kann vor Angst schon keinen klaren Gedanken mehr fassen – sie muß etwas tun.

Raus aus dem Bett. Auf nackten Füßen – damit man unten im Haus bloß keine Schritte hört. Ihr Plan steht fest!

Der Stuhl – wo ist der Stuhl – ahhh, da steht er. Gleich neben der Tür. Theo hat heute Nacht seine Kleider da einfach so drüber geschmissen. Sie legt sein Zeug geräuschlos auf den Fußboden. Wenn Theo das mal tat, wurde er von ihr gleich gehörig angepfiffen – aber dies war ja eine Notlage.

Komisch – denkt sie – was einem Menschen in so einer gefährlichen Situation alles durch den Kopf geht. Manch einer hat ja schon erzählt, daß man in solchen Sekunden sein ganzes Leben an sich vorbei sausen sieht. Sie sieht im Moment aber nur das Donnerwetter an sich vorbeisausen, auf das Theo sich morgen früh gefasst machen kann.

Den Stuhl mit der Lehne unter die Türklinke – damit die Einbrecher nicht ins Schlafzimmer können, und Theo vielleicht totschießen. Wenn sie draußen war – und den Nachbar zu Hilfe holte.

Theo brauchte sie noch – mit wem sollte sie denn sonst ‘rumnörgeln – wenn er plötzlich nicht mehr da wäre.

So – das saß! Da kam niemand ‘rein. Fuß vor Fuß durch das Schlafzimmer – die Balkontür im Zeitlupentempo aufziehen.

Man gut, daß Theo die Türen letzte Woche noch alle geschmiert hat. Zu irgendwas war er ja doch noch zu gebrauchen.

Es ärgert sie im Stillen, daß sie ein Nachthemd angezogen hat – angezogen in der Hoffnung auf Theos gute Taten. Die Hoffnung war Hoffnung geblieben – und klettern könnte sie viel besser mit einer Nachthose an. Verwundert ist sie, daß sie so leise sein kann – im normalen Leben fällt ihr das nämlich bannig schwer.

Bbbbbrrrrrrrrrrrrrrrr….. barfuß im nassen Gras – und das morgens um vier! Aber jetzt – als wenn der Teufel hinter ihr her ist – quer durch den Garten. Beim Nachbarn ums Haus zu – und an das Schlafzimmerfenster geballert. Der Nachbar ist gleich am Fenster. Er hat ein Jagdgewehr in den Fäusten – als wenn er damit geschlafen hat. Sie erklärt ihm hastig die Situation – und dann hasten beide, wie Indianer auf dem Kriegspfad, los. Sie schleichen um das Haus herum – aber seltsam – kein Fenster ist geöffnet, und keine Tür steht offen. Keine Scheibe ist zerschlagen. Was tun? Einen Schlüssel hat sie ja nun leider nicht im Nachthemd – also, der Nachbar mit seinem Püster rauf auf die Leiter, über den Balkon, durch die Schlafkammer. Stuhl weg – Tür aufgemacht – und horchen.

Da sind Geräusche zu hören. Ganz vorsichtig die Treppe runter. Aus der Küche fällt Lichtschein in die Diele. Die Küchentür aufreißen – und lachen – das war eins.

So ein Lachen hat sie ihr Lebtag noch nicht gehört, wie es ihr jetzt aus dem Haus entgegenschlägt.

Als der Nachbar die Eingangstür öffnet, und sie herein läßt, kann sie auch nicht anders – sie muß sich festhalten vor Lachen – und kann nicht verhindern, daß es ihr warm an den Beinen hinunterläuft.

Die Nachthose wäre jetzt klatschnaß gewesen.

Ihren Theo hat der Hunger wohl noch an Kühlschrank getrieben, und in seinem Dunas hat er die Tür nicht wieder richtig zugemacht.

Nun sitzen Katze und Hund einträchtig vor dem hellen Viereck der offenen Klappe, und haben den Inhalt des Eisschrankes unter sich aufgeteilt.

Da sieht man mal wieder, was so ein Geburtstag ohne Essen doch alles anrichten kann.©ee

 

foto dank https://pixabay.com/

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Man stelle sich einmal vor, was wäre wenn …

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Man stelle sich einmal vor, was wäre wenn …

 

Gestern berichtete mir ein Freund mit ziemlicher Betroffenheit vom plötzlichen Tode eines Bekannten. Dieser Mensch hatte mit 62 den Gipfel seines Schaffens erreicht, und freute sich auf die nun vor ihm liegende unbeschwerte Talfahrt bis ans Ende seines irdischen Daseins. Es sollte nach seinen Vorstellungen locker einige Jährchen bis zum Verbrauch der Reserven dauern. Keine 24 Stunden nach seiner letzten Schicht lag er aber schon aufgebahrt in der Aussegnungshalle am Ort seines bisherigen Wirkens.

Da mein Freund auch nicht mehr zu den Jüngsten zählt, bedrückte ihn dieses Geschehen natürlich.

Ich habe versucht die grauen Schatten von seinem Denken zu nehmen, indem ich ihn aufforderte das Ganze doch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten.

Dieser Mensch aus seinem Bekanntenkreis der da plötzlich nicht mehr war, hätte doch für sein vorbildliches gesellschafts-politisches Verhalten posthum den höchsten Orden des Landes verdient. Die finanzielle Entlastung der Gesellschaft durch sein frühes Ableben wäre doch immens groß. Wenn nun jeder Bürger sich so selbstlos verhalten würde, gäbe es keine wie auch immer gearteten Probleme mit der Altersversorgung. Die vermaledeiten Pensions- und Rentenkassen als drückende Bürde für den Staatshaushalt könnten abgeschafft werden. Die Pflegeversicherung als Klotz am Bein der Krankenversicherer hätte ihre Daseinsberechtigung verloren. Den nachwachsenden Generationen würde der Grund für ein schlechtes Gewissen beim Anblick von alten einsamen Familienmitgliedern genommen. Enkel- und Urenkelkinder müssten sich nicht mehr das stetig sich wiederholende Geschwafel ihrer Großeltern von der schönen alten Zeit anhören. Betuchtere Omas und Opas würden durch die Befriedigung ihrer Reisewut mit Fliegern aller Couleur nicht mehr die Atmosphäre belasten. Das alles wären doch unschätzbare Vorteile für eine moderne Gesellschaft. Am besten würde das Ganze dann in einem Gesetzestext zur einvernehmlichen Regelung der Altersstruktur zusammengefasst werden.

Parlamentarier wären davon natürlich ausgenommen, um eine zügige Verabschiedung und regelmäßige Novellierung des Gesetzes durch Bundestag und Bundesrat zu gewährleisten.

Natürlich hätte dieses ‚Sonnengesetz’ auch seine Schatten-seiten. Da wären zum Beispiel die Verluste bei Banken- und Versicherungskonzernen, die nicht mehr provitabel ‚Riestern’ könnten – da wären zum Beispiel die Kassen der Verbände und Parteien, in die keine Provisionen von den Versicherern für vermittelte ‚Riesterverträge’ mehr fließen würden – da wären zum Beispiel die vielen Betreiber und Investoren der Pflegeheime, die nicht mehr ‚Pflegen’ könnten – und da wäre nicht zuletzt der Staat der in sogenannten Krisensituationen die Rentenkassen nicht mehr plündern könnte.

Als ich meinem Freund das alles dargelegt hatte, da hellte sich auch seine Miene wieder auf – bis dann nach einer kurzen Pause seine Frage kam:

Aber ist das, was du mir da gerade erzählt hast, nicht alles menschenunwürdig?© ee

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foto bei https://pixabay.com/

merci

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Zurück.

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Zurück.

Ich geh’ des Dorfes Gassen
ich such’ den stillsten Ort
ich hatt’ das Land verlassen
war lange lange fort

Nach wildbewegten lauten Jahren
neigt mein Leben sich zurück
hab in der Welt soviel erfahren
und fand doch nie das letzte Glück.

Nun hat das Schicksal mich geleitet
zurück an meiner Kindheit Platz
was das Leben mir bereitet
ist nur noch ein verlorener Schatz

Ich gehe durch des Kirchhofs Tor
betrete eine stille Welt
und sehe alles von davor
Vergangenheit sich mir erhellt

Und plötzlich fühl’ ich zartes Rühren
als wollt man mich erreichen
als wollt man mich nach Hause führen
zur Bank unter den Eichen.

© ee