Veröffentlicht in Ewald Eden, Satzflüge

Der Bumerang des Hochmuts …

Der Bumerang des Hochmuts …

Wir werden geschlagen mit eigenen Waffen,
die ein Kind schon kann tragen, den Tod im Visier –
wir haben das eigen‘ Verderben geschaffen,
weil wir alles geliefert aus Machtsucht und Gier.

Der Wind, der gesät in den Elfenbeintürmen,
kehrt zu uns zurück mit erschrecklicher Kraft,
als Bumerang aus tödlichen Stürmen,
der jeden Widerstand mühelos schafft.

Wir haben uns bedient im Lauf der Geschichte,
an allem was anderen heilig war –
wir haben gemordet, geplündert vor Gottes Gesichte,
genossen das alles als wunder und bar.

Wir haben uns betrachtet als Herren der Welt,
die Peitsche geschwungen über die niederen Wesen –
und weil im Besitz wir von Reichtum und Geld
dünkten wir uns als handverlesen.

Dies‘ Denken ziert nur noch als blätternder Lack
des treibenden Staates einst glänzend‘ Karossen –
und mit der Benennung der Warner als Pack
hat man sich selber ins Knie gar geschossen …

© ee

ewaldeden2015-11-17

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Veröffentlicht in Ewald Eden

lost wings.

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lost wings.

Gefrorene Gefühle – sie splittern wie Eis
zerstörtes Vertrauen – wie die Hölle so heiß

wie soll man sich schützen vor heulendem Sturm
wenn die Welt nur noch rauende Klüfte
man fühlt sich getreten wie ein elender Wurm
möcht’ fliehen in rettende Lüfte

doch niemand ist da der Flügel dir schenkt
du siehst keinen rettenden Fels in der Brandung
so sehr du dir auch die Seele verrenkst
nichts schützt dich vor brüchiger Landung

Du spürst einen Knoten in deiner Kehle
er hindert den Fluß deines Sagen
es ist dir als hättest du Krebs in der Seele
und kannst nicht mal mehr lächeln an sonnigen Tagen

ein grauer Schatten schleiert das Licht
du siehst nur noch drohend Gespenster
Nebel die wärmenden Strahlen bricht
verhangen sind Türen und Fenster

durch Ritzen flimmert das Leben herein
Staub tanzt in den gleißenden Bahnen
die Zukunft fühlst du als brüchigen Schein
kannst Sicherheit nicht mal mehr ahnen

du kriechst in die Ecken
suchst das Dunkel der Nacht
willst dich nur noch verstecken
vor irdischer Pracht

und niemand ist da der die Hände dir reicht
der Glück dir spendet und lebende Wärme
dabei wäre es für viele ganz leicht
doch es hindert sie ständig der Welten Gelärme.

© ee

 

Veröffentlicht in Ewald Eden

und weiter ?

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und weiter ?

Jeder Atemzug brennt Löcher
in die Seele und ins Herz
wohin ich schau seh ich nur Köcher
mit vergiftet Pfeilen
deren Spitzen purer Schmerz

die Luft ist schwer mit Hass geladen
kein Platz mehr für des Lebens Freude
er zieht in dichten dunklen Schwaden
macht daß man alles Licht vergeude
macht daß man sich selber nicht mehr mag

man spürt um sich
plötzlich nur Gedränge
scheut stets vor dem nächsten Tag
und treibt sich selber
in die Enge.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden

Helgoland – die Insel…

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Helgoland – die Insel …

Türkisenes Wasser – schneeweißer Sand
blauender Himmel – rötelndes Land
das alles auf einer handvoll Fläche
zu umrunden im Bruchteil der Tagesbahn
die Menschen hier leben in ihrer eigenen Welt
bestaunt und beneidet von täglichen Gästen
die sich wundern daß es jemand auf Dauer gefällt
abseits zu sein von Rummel und Festen
bewundert von Wesen
die nicht mehr wissen wie’s geht
wenn Mensch der Natur gegenübersteht.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden, Schreibwerkstatt

Kopfnicken – und die Folgen …

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Kopfnicken – und die Folgen …

 

Kürzlich hatte ich das Vergnügen, mich in einen Aktenberg vertiefen zu dürfen. Es war eine Verfahrensakte, der es eigentlich hätte schwindelig sein müssen vom vielen rotieren zwischen den Ämtern und Gerichten.

Ich dachte so bei mir, nur gut, daß Papier nicht kotzen kann – sonst hätte ich ja nichts mehr von dem darauf geschriebenen lesen können.

Nicht, daß es da um geklautes Geld oder unrechtmäßig erworbene Immobilien ging. Der Aktenberg drehte sich auch nicht um einen Vergewaltigungs-, Mord- oder Totschlags-tatbestand, so wie er gemeinhin in Deutschland von nüchternen Juristen definiert wird.

Es handelte sich also nicht um Dinge, die man anhäufen kann, oder bei denen man das Blut fließen sehen konnte.

Das geschriebene in diesem Papierberg drehte sich ganz einfach um den Wunsch einer Mutter, für ihr behindertes Kind wieder Mutter sein zu dürfen. So wie sie es 24 Jahre lang gewesen war.

Ich habe mit Erschrecken festgestellt, daß in Deutschland sehr viele Menschen sehr viel gegen die Erfüllung eines solch natürlichen Wunsches haben. Sie alle verstecken sich allerdings ganz passabel hinter Ämtern und Behörden-bezeichnungen.

Aus welchen Gründen das auch immer sein mag.

Als ich mich, immer schön der Reihe nach, durch den Blätterwald mühte, bemerkte ich nach einer Weile, daß es im Grunde stets der gleiche Baum war, der sich dem Begehren der Mutter in den Weg stellte.

Die Unfähigkeit der Mutter ihren Sohn sohngerecht zu betreuen mache die Bestellung eines Berufsbetreuers und die Unterbringung in einer stationären Einrichtung unumgänglich.

Es ist doch immer wieder tröstlich, zu erfahren, daß Menschen in Ämtern und Behörden nach der relativ kurzen Zeit von 24 Jahren von einer solchen Erkenntnis heimgesucht werden, und das schaffen sie auch noch ohne neutrale, von außen geschehende Begutachtung.

Wieviel Kompetenz doch in den Köpfen der Entscheider vorhanden ist. Oder ist es vielleicht eher das Bestreben nach eigener Sicherheit und Machtfülle? Machtfülle insofern, daß man über andere bestimmen kann – und Sicherheit unisono, weil man dieses bestimmen können ja auch noch gut bezahlt bekommt.

Eine richterliche Bemerkung in diesem Wirrwarr von Texten hat mich dann doch sehr nachdenklich gestimmt:

Dem Wunsch des Betroffenen müßte in einem solchen Verfahren Rechnung getragen werden. Irgendein Wunsch sei im vorliegenden Fall aber nicht erkennbar, weil der Betroffene nur nicke.

Als ich das las, tat sich mir eine ungeheuere Vorstellung auf:

Wenn ein solches Denken Teil der Entscheidungsrichtlinie ist, dann bleiben nur zwei Möglichkeiten – entweder stellt man einen großen Teil der deutschen Parlamentarier auch unter die Aufsicht von Berufsbetreuern, weil die ja auch nur mit dem Kopf nicken, wenn es um Entscheidungen geht – oder aber der Betroffene – um den es in diesem Fall geht – gehört nicht unter Betreuung gestellt, sondern ins Parlament.© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden

Eine Antwort auf so manche Frage …

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Eine Antwort auf so manche Frage …

Ich nannte ein Haus
voller Bücher mein eigen
es waren Vielhunderte an der Zahl
doch wie es nun einmal so ist –

man kann im Leben
dieses und jenes vergeigen
jetzt sind um mich die Wände sehr kahl
das „Wortvoll“ der Bücher
ist nur noch im Kopf

mir schwant was von Blücher
und manch’ anderem Tropf
das denken an Heine und Schreiberkollegen
wie Busch mit Max und Moritz oder Storm

mit seines Schimmels Reiter
bestärkt mich enorm
drum mache ich weiter
und halt mich in Form

reih’ Buchstab’ an Buchstab’
zu Worteskapaden
laß’ Mädchen und Knab’
im Sonnenlicht baden

trete in manch kalten Wintern
oder tief drinnen in nächtlicher Nacht
auch wohl Politiker in den Hintern
wenn sie mal wieder Verderben gebracht

laß wirken die Schönheiten heiler Natur
geißel das schädigend’ Tun vieler Täter
bleibe wie Terrier auf verräterisch’ Spur
oder nenne das Leid vieler Väter

verschließe nicht Auge, nicht Ohr und Gefühl
lasse Dinge sich drehen und wenden
laß`mich nicht irren von Menschens Gewühl
und hoffe mein Tun wird noch lange nicht enden …

© ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden

Momentaufnahme . . .

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Momentaufnahme . . .

Der Fluß des Lebens schlägt über die Ufer
was ist mir nur geschehen
von weit begleitet mich ein Rufer
ich höre seine Klage wehen

niemand achtet meine Wege
jeder sieht sich selber bloß
keiner pflegt die Nächstenpflege
die Selbstsucht – die wächst riesengroß

sie wiegt sich wie steinerne Blume
sie klinget wie tönernes Erz
sie bröselt wie trockene Krume
wo find’ ich ein liebendes Herz

die Alten – sie haben gemalet
die Bilder von duldsamer Fron
sie lehrten, daß stets wer bezahlet
des Schicksals genügsamen Lohn

wer nicht die Worte behütet
wer nicht erkennet den Wert
wer mit den Schätzen wütet
der lebet sein Leben verkehrt

gestern – da war’n wir das Morgen
heut sind wir der Gegenwart Bild
und jeden Tag Zeit den wir borgen
der schwächet der Zukunft Schild.

© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden

Des Spielers stetes Hoffen …

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Des Spielers stetes Hoffen …

Kanaster, Klabaster und Skatgekloppe –
die Luft sie ist zum Schneiden – so dick.

Der Bärtige dort in der ledernen Joppe
hat im Spiel eine Menge an verblüffendem Glück.

Selbst bei ’ner Acht –
dieser Lusche im Spiel –

Fortuna mit Freud’ in den Kartenstock lacht,
und bringt mit Effee ihn als Gewinner ins Ziel.

Die Skatbrüder raufen sich die spärlichen Haare
über dies’ große, dies’ teuflische Glück –

sie zücken die Börse und blättern das Bare,
in der trügerisch’ Hoffnung,

im nächsten Spiel
kehrt es zu ihnen zurück.

© ee