Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie

Laß’ die Erinn’rung kreisen…

Laß’ die Erinn’rung kreisen…

Laß’ den Sommer hinne ziehen
und die Erinn’rung kreisen
auch Herbst hat Farben nur geliehen
der Winter wird’s beweisen
des Jahres Reise wird sich runden
nach Frühlings Grün
und Sommers Pracht
hat sich dann wieder eingefunden
was Herbstens Laub so bunt gemacht …

Die Sonne zerrt doch nur verhalten
weil sie sich nicht verheben will
sie kennt den Winter, diesen Alten
und sein klirrend Kältespill –
sie lässt ihn mütterlich gewähren
gewährt im zeitenlang sein Frei
er wird sich dann von selbst verzehren
auf dass es wieder Frühling sei.

© ee

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Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie

Sonntagmorgen

.

Sonntagmorgen

Die Sonne liegt noch in der Koje,
den Morgen wieget See’es Gang –
liegt noch vertäut an Nachtens Boje,
mitten im Grün von Meeres Tang.

Die Fische in der Wasserwelt,
sie schlängeln sich durch Tiefes Gründe –
der Himmel spannt sich wie ein Zelt
über menschbedroht’ Natures Pfründe.

Das schillernde der Wellen Kämme,
das irisierend’ Meeres Grün
durchbricht mit Macht des Fühlens Dämme
und läßt die schönsten Träume blüh’n.

Wenn der Morgen dann die Anker lichtet,
nimmt Kurs, auf in den Tag hinein –
die Bläue dann die Stunden schichtet
hoch auf, in Taggestirnes golden’ Schein.

©ee

Foto geliehen  bei pixabay

Veröffentlicht in Erzählungen:, Ewald Eden, Heyersand

Heyersand VI

und weiter…

 

Heyersand VI

 

Diese Erkenntnis behält er aber wohlweislich für sich. Er sieht sich nämlich schon im Geiste die sechs Kilometer zu Heins Koje mit dem alten Gepäckrad abstrampeln, wenn er das laut sagen würde.

Tjark mag gar nicht daran denken, daß Jürgen Köhnen Heute vielleicht auf den Inselhopper ausweicht, der seit dem letzten Herbst die Küste längs fliegt. Das könnte dann leicht für ihn zur Gewohnheit werden. So ein Flieger ist ja wohl eine schöne Sache für Leute, die mit der Zeit geizen. Er jedenfalls kann diesen brummenden Hummeln seit Südostasien keine freundlichen Gefühle mehr entgegenbringen.

 

Es ist für ihn heute Morgen beruhigend, zu wissen, daß tief in Jürgen Köhnen auch eine Art zementierte Abneigung gegen alles Fliegende sitzt.

Die nette Brandbombe, die in seiner frühen Kindheit sein Elternhaus in der Hansestadt getroffen hatte, die ist wohl mit daran schuld.

Jürgen Köhnen hat ihm einmal bruchstückhaft von dieser schrecklichen Nacht im Luftschutzkeller erzählt.

Familie als Familie besitzt er seitdem nicht mehr. Von allen 32 Bewohnern des Hauses Kanalstraße 18 überlebten einzig seine Großmutter und er das Inferno der Bombennacht. Alle anderen verbrannten im Keller.

Die Jahre danach war seine Oma für ihn Mutter und Vater zugleich gewesen. Dieses Glück wurde vielen Kindern im zerstörten Hamburg nicht zuteil. Ohne sie wäre er mit Sicherheit – wie viele andere – in irgendeinem Heim gelandet.

Dafür war er seiner Großmutter bis zu ihrem späten Tode immer dankbar gewesen, obwohl sie ihn mit ihrem Egoismus in seiner Jugend um so manches Erlebnis gebracht hatte.

Das alles hat er aber ganz tief in seinem Innern vergraben. Der Köhm und Tjark Blohms ähnliche Erlebnisse brachten ihn an dem besagten Abend dazu, ein wenig an diesen Dingen zu kratzen. Aber nur ein ganz klein wenig. Es kam nämlich nicht einmal etwas von seiner gescheiterten Beziehung zu Carola, mit der er eine kurze Zeit verheiratet war, und seiner ständigen Suche nach etwas Verlorenem ans Tageslicht.

 

Tjark Blohm muß einmal tief Luft holen, um diese, und seine eigenen Erinnerungen zu verscheuchen, die ihm die Gegenwart für ein paar Sekunden vernebeln.

„Nu seech man to, daß du los kommst – wir klaren in der Zeit schon die Holtengast auf.“

Tjarks sonst gewaltiger Baß klingt ein wenig wie mit Mehl bestäubt.

Jürgen Köhnen steht ganz verdattert neben seiner klatschgelben Blechkiste.

„Ik weet doch gannich, wo ich hin muß ….“

„Och joa … hier.“ Tjark hat endlich aus den Tiefen seiner Overalltaschen ein zerknittertes Stück Papier ans Tageslicht befördert und drückt es Jürgen in die Hand

„Dat is Hein sien Visitenkoart – da steht allens drauf.“

Sagt es, dreht sich um, und bölkt gleich darauf mit röhrender Kommandostimme in die Richtung von zwei Decksleuten:

„Nu man een bäten dalli, ji beiden – de Holtengast moot warmlopen. In einer halben Stunde heißt es Leinen los.“

 

Wer Tjark im normalen Betrieb in seiner Gepäckhalle herumklütern sieht, der traut ihm niemals eine solche wieselige Wendigkeit zu, wie er sie jetzt an den Tag legt.

Der normale Beobachter weiß ja auch nicht, daß Tjark außer seiner Fahrenszeit auf einem verrosteten Seelenverkäufer im südchinesischen Meer auch noch 10 Jahre Dienst in der französischen Legion hinter sich gebracht hat. Darüber spricht er allgemein auch nicht, weil ihn hier und heute wegen seiner körperlichen Massigkeit sowieso alle respektieren.

 

Das war während seiner Schulzeit noch anders gewesen, als jeder daheim im Dorf den schmächtigen Burschen hänselte, weil er keinen richtigen Vater vorweisen konnte und deshalb von der Gemeinschaft als nicht ‚vollständig’ angesehen wurde.

Im letzten Schuljahr hat er wegen einer solchen Hänselei dem Schlachtersjungen von nebenan – auf dem Klosett in der Schule – kurzerhand ein Ohr abgebissen.

Auf dem Klosett deshalb, weil der kräftigere Schlachtersjung, der zwei Jahre älter war als Tjark, in dem Moment nicht so schnell hinter ihm herrennen konnte – von wegen die heruntergelassene Büx.

Von da an war der auch nicht mehr vollständig gewesen.

Tjark hat sich allerdings daraufhin nicht mehr nach Hause getraut, und am nächsten Tag in die Schule schon mal gar nicht. Lehrer Krumbiegel hatte garantiert schon seinen ‚Spezialrohrstock’ auf Vordermann gebracht.

Der alte Knochen besaß nämlich ‚Zuchtruten’ in verschiedenen Kategorien – die eine war für leichte, eine andere für mittelschwere, und eine dritte für besondere Fälle gedacht.

Die zu erwartende Sühne für seine Tat hatte Tjark schon von sich aus freiwillig unter ‚besondere Fälle’ eingeordnet. Diese ‚Behandlung’ wollte er seinem verlängerten Rücken nun doch nicht antun.

Bei einem solchen ‚Ritual’ halfen nämlich auch keine in die Hose gestopften Schulhefte, mit deren Hilfe sie die fast alltäglichen, kleineren ‚Strafaktionen’ abmilderten.

 

Am zweiten Tag nach seiner ‚Heldentat’ kroch er abends auf Möllers Rastplatz zwischen die Ladung eines abgestellten Fernlasters.

 Irgendwo musste er ja mal schlafen. Und er schlief verdammt lange. Als er nämlich wach wurde hörte er Sprechen um sich herum das er nicht verstand, und als er durch einen Schlitz in der Plane nach draußen linste, sah er in eine Gegend die ihm völlig fremd war.

Vom Fahrer des LKW, der seinen ‚blinden Passagier’ nach einer Pinkelpause auf der Ladefläche entdeckte, erfuhr er, daß sie gerade die französische Grenze passiert hatten.

Nachdem er zwei dickbelegte Stullen aus des Fahrers Brotdose vertilgt, und sich den Muckefuck aus dessen Kaffetank einverleibt hatte, ging es ihm wieder bestig. Für den gutmütigen Fernfahrer machte er sich fix um zwei Jahre älter. Siebzehn sei er gerade geworden und wolle in die Welt hinaus.

Der Kapitän der Landstrasse schloß daraus messerscharf, seinen ‚blinden Passagier’ ziehe es wegen irgendeiner jugendlichen Missetat in die Fremden-legion. Was Tjark sofort mannhaft bejahte, obwohl er von dieser Einrichtung sein Lebtag noch keinen Pieps gehört hatte.

 

Zwei Kilometer weiter saß er denn auch schon auf der nächsten Gendarmeriestation einem Elsässer Flic gegenüber, der ihn auf französisch allerhand fragte was er nicht verstand, und der ihn etwas unterschreiben ließ was er nicht lesen konnte. Obwohl derselbe Flic sich wenig später beim hinausgehen mit dem Fernfahrer ganz passabel auf Deutsch unterhielt.

Ein von dem Gendarmen aus einer nahe gelegenen Kaserne herbeigerufener Corporal kassierte ihn kurz darauf ein.

Acht Stunden später tummelten sich auf dem Kopf über der Rekrutenuniform der ‚Legion Francaise’ nur noch Stoppeln und nochmal acht Stunden später fand er sich als ‚Zackbumm’ irgendwo in den zerklüfteten Bergen der Insel Korsika zur Grundausbildung als Legionär wieder, um gleich danach als Schütze Arsch aus niedrigster Position die Schönheit der algerischen Wüstenlandschaft entdecken zu dürfen.

Tjark Blohm sollte es für eine lange Zeit nicht mehr geben.

Omanoman – wenn er das auf dem Klosett in der Schule geahnt hätte – der Schlachtersjung hätte entweder den Horchlöffel an seinem Wasserkopf dranbehalten, oder Tjark hätte von Lehrer Krumbiegel die Behandlung für besondere Fälle in Kauf genommen.

Seinem Aufenthalt in Algerien folgte eine Stipvisite nach Südamerika auf eine der vorgelagerten Inseln zur Niederschlagung einer Sträflingsrevolte.

Nachdem die Zuchthauskolonie ziemlich unfriedlich von ihm und seinen Kameraden befriedet worden war, durfte er für längere Zeit die ‚Gastfreundschaft’ der Kongolesen genießen, um dann übergangslos von der Führung der ‚Grande Nation’ nach Südostasien geschubst zu werden. Ehe er noch recht zur Besinnung gekommen war, befand er sich mitten im Schlamassel in Indochina. Es wurden drei heiße Jahre in der grünen Hölle um Dien bien Phu.

Für einen ostfriesischen Torfkopp, der nur wegen eines abgebissenen Ohres von zuhause ausgebüxt war, war das ganze Erleben schon ganz schön happig.

 

Na ja, er hat es überlebt, und viel von der Welt gesehen. Es war allerdings eine ziemlich blutige Welt, die er dadurch kennengelernt hat. Sogar ein paar glänzende Blechdinger hatten die Franzmänner ihm für seine Tapferkeit an die Brust geheftet.

Nur seiner Mutter hat er sie nicht mehr zeigen können, damit sie gesehen hätte, daß aus ihm doch noch was geworden war. Sie war ein halbes Jahr vor seiner Rückkehr in die Heimat gestorben.

 

Nach den Kämpfen in den asiatischen Regenwäldern war er seinen Capitain um seine Entlassung aus der Legion angegangen. Die Demission hatte ihm der Kriegsminister in Paris auf Grund der Fürsprache seines Vorgesetzten dann auch huldvoll gewährt, weil wütende Asiaten ihn bei Nahkämpfen schon dreimal durchlöchert hatten. Er versprach sich für die französische Marianne wohl nicht mehr allzu viel Nutzen von diesem waidwunden ostfriesischen Helden.

Mit einer Heuer auf einem Frachtdampfer, und dem Sold für 10 Jahre Zackbummzeit in der Tasche, versuchte er nach seiner ‚Entmilitarisierung’ mit einem Schiff einen deutschen Hafen zu erreichen. Zehn Jahre hat es gedauert, bis er den ersten deutschen Hafen zu Gesicht bekam. Er hatte in seiner Abschiedslaune nämlich einen Pott erwischt, das zwar den Union Jack führte, und an dessen Heck Liverpool stand – das aber seinen Bugspriet trotzdem nie aus dem Chinesenmeer raus steckte.

Es wurde eine ganz schön lange Reise durch die asiatischen Häfen. Er hatte sich auf dem Schrottkahn aus dem vorigen Jahrhundert schnell vom Leicht-matrosen zum ersten Steuermann hochgearbeitet.

An Bord galt sein Wort bald mehr, als das des ständig duunen Kapitäns. Das nützte ihm nur nicht viel, denn dem heruntergekommenen englischen Ginliebhaber – einem in den Kolonien gestrandeten Sprössling der Gordon Dynastie – gehörte der verrottete Kahn. Die Rostbeule hat er erst verlassen können, kurz bevor die Wellen über dem Deck zusammenschlugen, und sie für immer in ihr nasses Grab versank.

Das südchinesische Meer mit seinem Kranz von Opiumhöhlen drumherum kannte er seitdem besser, als seine eigene Hosentasche. In der fand er ja nicht einmal auf Anhieb die popelige Visitenkarte von Hein Briester.© ee

Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie, Schrievhuus- PLATT

Givt dat wat lekker’s?

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Givt dat wat lekker’s?

Tee – dat is doch verrafftich een lekker Gedränk
wo schall ik jo dat am besten verkloaren
hört man von Menschen lautes Gezänk
dann weiß man fast sicher
bei denen hat Tee gewiß nichts verloren

denn wenn een Köpke Tee vöör een steit
„ostfriesische Mischung“ van Klöär un van Schmoak
up de een witt Wulkje sükk wiesen deit
keert man sükk de Düwel
üm anner Lüüs Soak

Tee – dat is wat för d’ Vergnöögen
jeden an d’ Toafel kikkt netso blied
un deit sükk över de annere höögen
wor Tee is dor givt dat keen Striet

Tee die heftigsten Wogen glättet
die krauseste Stirn verschwindet
als hätte der Herrgott den Ärger geplättet
Tee alles und jedes aufs feinste verbindet

Tee

de sörcht stilkens
för Ruh un för Frää
wor Tee drunken word
dor is allens up Stää.

©ee

Veröffentlicht in Christin v. M., Satzflüge

wenn ich träume von dir.

 

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wenn ich träume von dir.

wenn ich träume von dir morgens
beim singen mit den vögeln
unter dem goldgerausch des strauches

wenn der süße duft
des mangnolienbaumes
mich benommen macht , mein träumen

mittags wenn die sonne
die luft erhitzt und explodieren läßt
ich träume von dir

am nachmittag wenn der wind
meine haare lachend zerwühlt
und der regen meine haut kühlt

abends träumen von dir
wenn die nacht
den verlassenden tag küßt

ich träume dich zu mir
bis meine gedanken dich streicheln
ach wärst du hier..

© Chr.v.M.

Veröffentlicht in Erzählungen:, Ewald Eden, Satzflüge

Courage . . .

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Courage . . .

 

Schschscht – – – – – Theo – – – – sie kann sich bald selbst nicht hören, so leise ruft sie ihren Theo.

Man – sie liegt ja auch steif im Bett. So sehr hat sie sich erschrocken, als es plötzlich irgendwo im Haus schreck-lich polterte.

Sie versucht es noch einmal – diesmal etwas lauter.

Theo – – Theo – – dabei kriecht ihre Hand millimeterweise zu ihm hin.

Es dauert fast fünf Minuten, bis sie ihn an der Schulter zu fassen hat – und dann noch einmal genauso lange, bis sie ihren Arm bewegen und Theo schütteln kann.

Dabei hat sie mehr Energie fürs lauschen ins Haus gebraucht, als für die Bewegung zu seiner Schulter hin.

Ihr steht der blanke, kalte Schweiß auf der Stirn. Wie kann man bloß so fest schlafen. Wieder muß sie seine Schulter vorsichtig hin und her bewegen.

Sie traut sich nicht, laut zu werden – und meint, daß man schon ihr Herzklopfen bis zum Nachbarhaus hören kann.

Oh man – wenn diese Angst nicht wäre. Sie würde ihm schon zeigen was es heißt, nicht auf sie zu hören.

Er hat sowieso noch eine Rechnung offen bei ihr – von gestern abend. Wenn es auf der Geburtstagsfeier des Arbeitskollegen auch nichts Vernünftiges zu essen gab – er hätte sich nicht so zu betrinken brauchen.

Nun liegt er da und tut grad so, als wenn er mit der großen Zugsäge zugange ist, und Winterfeuerung sägt.

Schnarcht und liegt, und liegt und schnarcht, und kriegt vom Poltern und Klötern unten im Haus nichts mit.

Sie ist vor Angst am zittern, und kann ihr Nachtzeug bald auswringen. Sie bekommt ihn mit aller Gewalt nicht zu Verstand. Die Einbrecher räumen sicher schon das ganze Haus leer. Sie zittert, als wenn sie mit bloßen Füßen im Schnee steht.

Plötzlich kommt ihr die Erleuchtung!

Draußen am Balkon da steht doch noch die große Leiter. Der plötzliche Regenschauer hat Theo gestern Nachmittag beim Weinranken schneiden vertrieben – und die Leiter ist da stehen geblieben. Weil sie denn ja auch nötig losmußten – zum Geburtstag.

Immer wieder kommt dieser Geburtstag mit dem wenigen Essen und der vielen Sauferei ins Spiel.

Sie kann vor Angst schon keinen klaren Gedanken mehr fassen – sie muß etwas tun.

Raus aus dem Bett. Auf nackten Füßen – damit man unten im Haus bloß keine Schritte hört. Ihr Plan steht fest!

Der Stuhl – wo ist der Stuhl – ahhh, da steht er. Gleich neben der Tür. Theo hat heute Nacht seine Kleider da einfach so drüber geschmissen. Sie legt sein Zeug geräuschlos auf den Fußboden. Wenn Theo das mal tat, wurde er von ihr gleich gehörig angepfiffen – aber dies war ja eine Notlage.

Komisch – denkt sie – was einem Menschen in so einer gefährlichen Situation alles durch den Kopf geht. Manch einer hat ja schon erzählt, daß man in solchen Sekunden sein ganzes Leben an sich vorbei sausen sieht. Sie sieht im Moment aber nur das Donnerwetter an sich vorbeisausen, auf das Theo sich morgen früh gefasst machen kann.

Den Stuhl mit der Lehne unter die Türklinke – damit die Einbrecher nicht ins Schlafzimmer können, und Theo vielleicht totschießen. Wenn sie draußen war – und den Nachbar zu Hilfe holte.

Theo brauchte sie noch – mit wem sollte sie denn sonst ‘rumnörgeln – wenn er plötzlich nicht mehr da wäre.

So – das saß! Da kam niemand ‘rein. Fuß vor Fuß durch das Schlafzimmer – die Balkontür im Zeitlupentempo aufziehen.

Man gut, daß Theo die Türen letzte Woche noch alle geschmiert hat. Zu irgendwas war er ja doch noch zu gebrauchen.

Es ärgert sie im Stillen, daß sie ein Nachthemd angezogen hat – angezogen in der Hoffnung auf Theos gute Taten. Die Hoffnung war Hoffnung geblieben – und klettern könnte sie viel besser mit einer Nachthose an. Verwundert ist sie, daß sie so leise sein kann – im normalen Leben fällt ihr das nämlich bannig schwer.

Bbbbbrrrr….. barfuß im nassen Gras – und das morgens um vier! Aber jetzt – als wenn der Teufel hinter ihr her ist – quer durch den Garten. Beim Nachbarn ums Haus zu – und an das Schlafzimmerfenster geballert. Der Nachbar ist gleich am Fenster. Er hat ein Jagdgewehr in den Fäusten – als wenn er damit geschlafen hat. Sie erklärt ihm hastig die Situation – und dann hasten beide, wie Indianer auf dem Kriegspfad, los. Sie schleichen um das Haus herum – aber seltsam – kein Fenster ist geöffnet, und keine Tür steht offen. Keine Scheibe ist zerschlagen. Was tun? Einen Schlüssel hat sie ja nun leider nicht im Nachthemd – also, der Nachbar mit seinem Püster rauf auf die Leiter, über den Balkon, durch die Schlafkammer. Stuhl weg – Tür aufgemacht – und horchen.

Da sind Geräusche zu hören. Ganz vorsichtig die Treppe runter. Aus der Küche fällt Lichtschein in die Diele. Die Küchentür aufreißen – und lachen – das war eins.

So ein Lachen hat sie ihr Lebtag noch nicht gehört, wie es ihr jetzt aus dem Haus entgegenschlägt.

Als der Nachbar die Eingangstür öffnet, und sie herein läßt, kann sie auch nicht anders – sie muß sich festhalten vor Lachen – und kann nicht verhindern, daß es ihr warm an den Beinen hinunterläuft.

Die Nachthose wäre jetzt klatschnaß gewesen.

Ihren Theo hat der Hunger wohl noch an Kühlschrank getrieben, und in seinem Dunas hat er die Tür nicht wieder richtig zugemacht.

Nun sitzen Katze und Hund einträchtig vor dem hellen Viereck der offenen Klappe, und haben den Inhalt des Eisschrankes unter sich aufgeteilt.

Da sieht man mal wieder, was so ein Geburtstag ohne Essen doch alles anrichten kann.© ee

 

Eden’s kleine Lebensweisheiten :

* Erzählen – daß man mit den Händen die Gedanken greifen kann.* Ewald Eden

 

Veröffentlicht in Ewald Eden, Nachtlichter, Poesie, Satzflüge

Die Nacht.

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Die Nacht.

Die Nacht war schwarz und rabendunkel
sie glänzt’ wie Kaisers Knobelbecher

man sah kein Sternleins Goldgefunkel
bis Nacht wurd’ schwach und morgenschwächer

die Sonne trieb den schwarz’ Gesellen
mit Vögels Zwitschern vor sich her

bis er versank im sonnenhellen
tiefen weiten Weltenmeer.

©ee

Foto kostenlos auf  https://pixabay.com/de/

dankeschön  dem Knipser  😉

Veröffentlicht in Ewald Eden, Inventur der Gedanken

Ein fröhliches Jagen …

Ein fröhliches Jagen …

 

Wilhelmshaven – eine nach dem „Dr. Bernd Otto – Prinzip“ vergesellschaftete Stadt, gesplittet, verschachtelt, verholdingt, (schein)privatisiert, unkontrollierbar und zu einem Selbstbedienungsladen oder Versorgungsparadies für geschasste oder abgehalfterte Politgrößen im Westentaschenformat verkommene Kommune.

Nach dem allgemeinen Verständnis hinsichtlich der Einordnung von Städtegrößen befindet sich die Jadestadt mit ihren nichteinmal 80tausend Einwohnern zwischen Klein- und Großstadt, ist also ein mittelgroßer besiedelter Flecken, deren politische Führungen aber von Anbeginn der Existenz dieser preußischen Seesoldaten-Exklave dem Trugbild einer weltweit bedeutenden Stadt aufsitzen, oder besser gesagt, hinterherhecheln. Eine mittelgroße Gebietskörperschaft also, der ein gut dotierter Oberbürgermeister als Hauptverwaltungsbeamter, ferner etliche Dezernenten als Fachbereichsleiter und, und, und … als komplette Führungsspitze für den „Konzern Stadt“ vorstehen.

Für einen „Konzern“ dieser kleinen Größe sollte eine solche Führungsspitze für eine ordnungsgemäße Betriebsführung durchaus genügen (überhaupt, wer für dieses allenfalls „mittelständische Unternehmen die Bezeichnung ‚Konzern’ eingeführt hat, der muß schon irgendwie an Größenwahn leiden).

Eine solche Gliederung alleine wäre überschaubar, kostenmäßig tragbar und kontrollierbar – zumindest von unabhängigen Wirtschaftsprüfern und von den gewählten Ratsmitgliedern (sofern sie verständig sind und nicht nur für ihre parteilichen Spitzen vor Ort als „Stimmbeschaffer“ fungieren – sowie es bei Abstimmungen im Rat sehr häufig den Anschein hat).

Eine solche übersichtliche Kontrollierbarkeit würde jeden Wildwuchs von Pöstchenschieber- und Parteifreundversorgerei aufs äußerste einschränken, wenn nicht sogar verhindern. Und gerade diese Verhinderung von Vetternwirtschaft und Klüngel hat in den vergangenen Wahlperioden der letzten Jahrzehnte jede Stadtregierung verhindert – mit Zustimmung des jeweiligen Rates verhindert. Stattdessen lagerte man immer mehr Belange in schnell gegründete, zum Teil dubiose oder gar Luftblasen GmbH’s aus – in (privatrechtliche)Töchter der Stadt, über die die Mutter Stadt mit ihren Ratsmitgliedern aber nichts mehr zu sagen hat – ja, deren Ratsvertreter nach wiederholtem Bescheiden der Verwaltungsspitzen nicht einmal mehr das Recht auf Auskunft über die geschäftlichen Aktivitäten und die wirtschaftliche Lage der einzelnen Tochtergesellschaften haben, eben weil das Konstrukt ja im privaten Wirtschaftsrecht angesiedelt sei. Was wiederum Vertuscherei, Schönfärberei, Lug und Trug Tür und Tor öffnet. Siehe das Geschehen und die Entwicklungen der letzten, der Menzelschen Jahre am, im und um das städtische Krankenhaus und seine vielen Nebengesellschaften drumherum – für das sich mittlerweile und Gott sei Dank des Staates Anwalt interessiert.

Nun wird seit der letzten Kommunalwahl in der Verwaltung und in des Rates Gremien ständig davon schwadroniert, was denn nun alles dringlichst geändert, verbessert, (auf)geklärt werden müsse – es wird unablässig hin und her angedacht, wie in die Unordnung des „Konzerns Stadt“ denn nun wieder eine überschaubare Ordnung hineinzubringen sei. Eine „Unordnung“ – es mit Chaos zu benennen wäre wohl angebrachter – die teils von den jetzigen Anmahnern einer neuen Ordnung in den vorausgegangenen Legislaturperioden selber hergestellt oder zumindest unterstützt wurde.

Ein Paradebeispiel haben wir in der WTF, der Wilhelmshavener Tourismus und Freizeit Gesellschaft, deren Anfänge im soliden alten nordstädtischem Seebade-Verein um den Gründervater und stets rührigen Organisator (Schupo)Harz liegen. Diese gute Einrichtung der Bürger war den Stadtoberen von Anbeginn ihres Bestandes ein Dorn im Auge, auch wohl, weil sie da nicht das Sagen bzw. keinen oder nur einen beschränkten Einfluß auf die stetige und gute Entwicklung der Dinge um das Wilhelmshavener Kur und Badewesen der Nachkriegszeit ausüben konnten.

Nachdem der Geniusstrand in seiner Urform der Aufspülung anfangs des Rüstersieler und in der Folge des Voslapper Watts mit dem Ziel der (Chemie)Industrieansiedlung zum Opfer fiel, und damit dem Voslapper Seebadeverein die Existenzgrundlage – die Steuerung des Badegastaufkommens im jadestädtischen Norden – abhanden gekommen war, hatten die Stadtoberen mit der Gründung der damals sogenannten Freizeit endlich auch in der bis dahin recht flott florierenden und heute sog. „weißen Industrie“ das Heft in der Hand.

In den Anfangsjahren der „Freizeit“, und solange es den bundesweit bekannten und beliebten Campingplatz auf dem Gelände der ehemaligen, bei der Verlängerung der Posener Strasse – als Baustoff für diese – abgetragenen Voslapper Sanddüne mit der seeseitigen Restbadefläche des einstigen kilometerlangen Sandstrandes gab, solange klappte es einigermaßen passabel mit dem Fremdenverkehrsgeschehen unter städtischer Fuchtel. Bis dann der Größenwahn keimte, Wurzeln schlug und zu wuchern begann.

In den oberen Etagen der Burg am Meer machte man sich die Überlegungen und Strategien des obersten Gewerkschaftsbetriebswirtschaftlers Dr. Bernd Otto als Guru des Machtvermehrens mehr und steter zu eigen und folgte ihnen bereitwillig. Als begeisterten OTTO-Verehrer habe ich von Anbeginn seiner Dienste für die Kommune den späteren Stadtkämmerer Frank wahrgenommen. Besonders nach des Ottos scheinbar gelungenem Husarenstreich mit der Übernahme der hiesigen in NVA umbenannten Konsum-Genossenschaft, mit ihren Produktions- und nordwestregionalen Vertriebsstätten, und deren Umbenennung in dann COOP. Es war ja für die Wilhelmshavener Laienpolitiker auch wohl zu ungewöhnlich und zu fantastisch, mit anzusehen und vorgeführt zu bekommen, wie aus eins erst zwei, dann drei und im „haste nicht gesehen“ ganz viele wurden, ganz viele Gesellschaften meine ich. Aus einem zuerst noch zögerlichem Beginnen des Umwandelns wurde nämlich ganz schnell ein rasantes „GmbH’s aus dem Hut zaubern“ Spiel.

Seit einer Reihe von Jahren haben wir nun den trägen Moloch WTF mit seiner, wegen der vielen Anhängsel, spürbaren Unbeweglichkeit an der Backe. Der bisherige Geschäftsführer ist nicht zuletzt an der Unmöglichkeit, den Verflechtungen des Filzes zu entkommen, gescheitert und sein Dienstverhältnis mit der Stadt daran zerbrochen. An der mangelnden Kompetenz oder Ideenlosigkeit des gegangenen Kopfes hat es denn doch wohl nicht gelegen. Wie sonst ist es nämlich zu erklären, dass die Bremerhavener ihn für sich und ihre zukunftsträchtigen und ehrgeizigen städtischen Vorhaben als Tourismus-Chef für die Region an der Unterweser schon gekrallt haben, als sein Vertrag mit der Jadestadt noch in den letzten Zügen lag.

Der Wilhelmshavener Oberbürgermeister hat da allerdings den oder die Kollegen aus der Stadt an der Columbuskaje noch um einiges überrundet – man könnte es vielleicht als neuen Wagnerschen Rekord in die Bücher eintragen lassen. Er hat in einer Ad-hoc-Entscheidung, die den „aus dem Hut Zauberkünsten“ seines andersparteilichen Vorgängers fatal ähnelt, einen Nachfolger für die Position des Geschäftsführers der WTF in den Sessel gehoben, oder vielleicht geschoben … ach nein, wir nennen es gehievt, weil wir ja so maritim sind.

Er hat eine Person mit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut, die während ihrer Radiozeit (und auch wohl schon zuvor) nie einen Hehl aus ihrer Menzelschen Hosenbeinnähe gemacht hat. Vielleicht war diese „Ernennung“ ja vonnöten, um das farbliche Gleichgewicht in der schwarz/roten Högerbaukaaba wieder herzustellen.

Nun hatte der designierte oder bestätigte WTF Geschäftsführer noch vor seinem offiziellen Amtsantritt nichts Eiligeres zu tun, als den Bürgern via Tageszeitung zu verkünden, dass auf eine Senkung des jährlichen finanziellen 4 Millionen Minusbetrages bei der WTF nicht zu hoffen sei, zumal die WTF einen 6stelligen €urobetrag, allein als Miete für ein leerstehendes Phantomgebäude am Hafenkai, an eine andere städtische GmbH, an eine Schwestergesellschaft also, zahlen muß. (Bei sechsstellig pendeln meine Überlegungen zwischen 100 000 und 999 999 €uronen hin und her und können dabei nirgendwo so recht Fuß fassen).

Sieh einmal an, was für eine schlaue Erkenntnis und was für ein schizophrenes Handeln, habe ich bei mir gedacht – und mich zugleich gefragt, warum denn dann sein Vorgänger gehen musste, wenn sich offensichtlich an der finanziellen Misere der WTF GmbH auch in Zukunft nichts ändern wird. Das Gleichgewicht der Kaaba lässt grüßen.

Na ja, zumindest hat der regierende Erste Bürger der Jadestadt nun einen Menschen mehr in seinem Verwaltungsbau, der mit des Bürgermeisters Tun – oder zumindest mit dieser einen Entscheidung des Verwaltungschefs – doppelt zufrieden sein kann. Der Geschäftsführer der WTF GmbH bezieht nun in der Zukunft auch ein doppeltes Gehalt, weil er ja seinen bisherigen Geschäftsführerposten beim Lokalradio beibehält.

Das „Pfründe verschieben“ und das politische „Vettern versorgen“, stellt für sich alleine schon eine untragbare Unmöglichkeit dar – dem Tun die Krone aufgesetzt, oder dem Fass der Boden ausgeschlagen, dass geschieht aber durch den Umstand, dass künftig der Geschäftsführer eines kommunalen Wirtschaftsbetriebes, nämlich der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH auch zugleich der Geschäftsführer vom Medienorgan Radio-Jade ist. Damit gehen unweigerlich zumindest zwei miteinander verkoppelte Dinge einher: Erstens wird Radio-Jade in seinen Programmen überhaupt keine, die Stadt und ihre Verwaltungen berührenden, kritischen Bemerkungen oder Berichte mehr ausstrahlen, und Zweitens kann sich der OB mit seinen Dezernenten entspannt in der Gewissheit zurücklehnen, dass ihnen fortan von medialer jadestädtischer Seite keinerlei Unbill in Form etwaiger kritischer Berichterstattung droht. Damit hat man es in Kaisershaven fast geschafft, hinsichtlich der öffentlichen Medien paradiesische Zustände für Alleinbestimmer herzustellen. Ich vermag mir allerdings nicht zu helfen, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass unsere Gesellschaft auf dem Kopf steht – dass wir so etwas schon einmal irgendwann hatten, dass mit brachialer Gewalt im täuschenden Gewande die Freiheit der Presse, und damit die verfassungsgemäße Demokratie Stück für Stück ausgehebelt wird.

Ich kann nun für die weitere Jagd auf Pfründe allen Jägern nur ein „Waidmannsheil“ zurufen, obwohl ich mir sicher bin, dass von den Beteiligten kein „Waidmanns Dank“ zurückkommen wird. © ee

 

ewaldeden©2013-01-12

 

(Das mit den Bezügen [Geschäftsführergehalt] aus zwei sich im Grunde ausschließenden Töpfen ist wohl auch irgendwann andernorts sauer aufgestoßen und inzwischen klariert worden).

Veröffentlicht in Ewald Eden, Nachtlichter, Poesie, Satzflüge

Alpträume . . .

Alpträume . . .

Kaum ist man nächtens eingeschlummert
der Alptraum an die Wände wummert
man sucht ihm ständig auszuweichen
kann andere Plätze nicht erreichen

Man rennt sich schier die Lungen wund
entkommt ihm nicht – dem Höllenhund
die Füße fliegen wie Raketen
sie ständig nur ins Leere treten

Vor Angst das Herz im Kopfe schlägt
der Körper ist mit Schweiß belegt
im Halse sitzt ein dicker Kloß
man wird die Starre nicht mehr los

Die Lähme sitzt in den Gelenken
man kann nicht vor- noch rückwärts denken
will schreien – um sich aufzuwecken
der Schrei bleibt in der Kehle stecken

Wird man kräftig wachgerüttelt
der Traum noch lang die Glieder schüttelt
man kann die Augen dann nicht schließen
muß die Kämpfe dann auch wach genießen

Im Morgenrot das Sonnenlicht
des Alptraums Folter unterbricht
am Abend – nach des Tages Stunden
hat er dich schnell auf’s neu gefunden.

© ee

 

Veröffentlicht in Ewald Eden, Poesie

Der Abend …

 

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Der Abend …

Der Abend schneuzt sich leicht verhalten
bevor er sich sein Wams anzieht.
Der Tag bekommt schon Schlafesfalten,
die Sonne Richtung Westen flieht.

Für Stunden ist er nun beschäftigt,
hängt all’ die hellen Sterne auf,
der Mond scheint etwas übernächtigt,
drum kriegt er neues Silber drauf.

Der Himmel scheint noch rotverwaschen,
er wird blaudunkel angemalt,
zum Schluß holt er aus seinen Taschen
’ne Sternschnupp’ die in Gold erstrahlt.

Das Bild bekommt noch einen Tupfer
aus Schäfchenwolken – watteweich –
dann macht der Abend einen Hupfer
und verschwindet in sein nächtlich’ Reich.

© ee